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Ne Baeckerlehre. Irgendwas profanes. Da hat man sich dann schon einmal
durchgerungen, am Kaffeetisch im Familien- und Freundeskreis der Eltern
teilzunehmen, faehrt extra raus in die Pampa und dann das.
Computerexperte.
VERDAMMT!
"Mein Sohn ist Computerexperte!" Und das mit einem Laecheln, dass dieses
Wort nach "Bundeskanzler" klingen laesst, oder "Bankdirektor". Nun weiss
man, dass man verloren hat.
Alles kommt wieder hoch. All diese "Mutti, du kennst dich doch mit diesem
Betriebssystem viel besser aus, als ich". Nein tut sie nicht und dann
beweist sie, waehrend man schwitzend durch irgendwelche
Systemsteuerungshilfen clickt, dass sie es doch besser weiss. Klar sie
wuerden es alleine schaffen, jedes Mal, aber sie brauchen einen ja, damit
man die Fehler macht, die sie vermeiden wollen, nur um dann ganz generoes
darueber hinwegschauen zu koennen und einem ganz unauffaellig zu zeigen,
wieviel Erfahrung sie schon gesammelt haben. Als ob das nun nicht schon
alles genug waere, und Telefon- und Benzinkosten beliebiger Hoehe
verursacht haette, sitzt man an dieser bekloppten Kaffeetafel und
schluckt und versucht, alle Aehnlichkeit mit Bill Gates zu vermeiden,
stopft sich mehr Kuchen in den Mund und schluckt und versucht, nicht wie
ein voelliger Trottel auch noch rot zu werden, als ob man stolz drauf sei.
Aber eigentlich weiss man, dass es keinen Zweck hat. Man hat verloren. Das
sieht man daran, dass einen alle mit so ganz anderen Augen angucken. Man
ist ploetzlich ein Nuetzling. Ein Trottel zwar, aber nuetzlich. Und man
sieht an seinem inneren Augen schon die Situationen vorbeihuschen:
Der Cousin, der sich "irgendwo im Interweb einen Trojaner-Virusprogramm"
eingefangen hat und man darf da antanzen, clickt ein wenig herum, bekommt
in der Browseraddresshistory Ferkelwoerter zu sehen, die einem einen
ungefaehren Eindruck verschaffen, mit welcher Hartnaeckigkeit da gesucht
wurde und von denen ein Grossteil da nicht im Traum einfallen wuerde,
obwohl man ja selber auch nicht voellig.. aber egal! Man nickt ein paar mal
bedeutend und schuettelt hier und dort den Kopf und wenn der Cousin dann
irgendwas von "Iloveyou" und "Melissa" brabbelt, faellt einem nix weiter
ein als "Ja, hab ich auf Heise gelesen, aber weiss ich jetzt auch nicht"
und dann sieht man dieses schnippische "pah". Dieses "und du willst was
von Computern verstehen". Und zu NetBSD und dem Apache, den man vorhin
installiert hat und dem CryptoFS, an dem man grade codet, gibz nur ein
"hab ich laengst durchgespielt" und man weiss, dass man Federn verloren
hat, aber da nie wieder hin muss.
Und da sitzt man nun, kaut auf Gabel und Kuchen und alle warten auf den
Startschuss zur Hatz. Da gibt es immer einen widerlichen neuen Liebhaber
irgendeiner Tante, der einem ganz scheinheilig zwei voellig aus der Luft
gegriffene Monitortypen an den Kopf wirft und man soll nun entscheiden,
welchen er kaufen soll nur um mit dieser Meinung gleich auseinander
genommen zu werden. Man rettet sich mit Phantastereien ueber Lochmasken
vom LCD Schirm und ist erloest. Vorerst nur, dank derselben bloede Tante,
die den Typen angeschleppt hat, die macht naemlich einen Witz ueber
Bankraeuber mit ihren Lochmasken. Die Meute hat nun mit der gestrigen
Bildzeitung und dem schlimmen Bankueberfall genug zu tun, um vom
heroischen Fluchtversuch abzulenken, den man dann notfuerftig als
Toilettenbesuch getarnt, unternimmt. Saesse man noch da, wenn sie sich
einem wieder widmeten, liefen man leicht Gefahr, jegliche Selbstachtung zu
verlieren. Stattdessen steht der sehr verstaendnisvolle Opa im Flur, der
unbedingt wissen will, was man denn da so gerade arbeitet und irgendwie
tut es einem ernsthaft leid, dass das enttaeuschte Nichtverstehen in seinen
Augen schon nach dem zweiten Buzzword durchfackelt.
Und wieder uebermannt einen ein Bild drohenden Uebels. Situation:
gemuetlicher Abend, Programmieren an der Weltverbesserung.
Grundnahrungsmittel und Brot, eine gute Playlist, naechsten Morgen nicht
frueh aufstehen... und dann natuerlich ploetzlich Telefon. Und dann vier
Stunden irgendeinem Verwandten oder Bekannten eines Verwandten nur unter
Zurhilfenahme eines XP auf dem Scancomputer in der Firma als Referenz
beschreiben wie man unter Win95 versteckte Dateien einblendet und dlls
ins Pluginverzeichnis des CD-Rippers kopiert, dass natuerlich nicht ueber
den Startknopf im zweiten Menue sondern im Explorer, der aber dummerweise
Arbeitsplatz heisst...
dabei kann man gerade noch verhindern, auf dem Rueckweg vom Klo in das
Nachbarskind zu rennen, dass inzwischen schon gross und ansehnlich
geworden ist, und steht paralysiert da, wie man es aus schlechten Filmen
kennt, wo auch der ekligste, pickelige Computerhacker doch noch das
Cheerleadermaedchen abbekommt, und bestaetigt alle Stereotype und huscht
durch das Wohnzimmer zurueck in das ehemalige Zimmer, das laengst zum
Buero umfunktioniert wurde und tastet sein Gesicht nach Pickeln ab.
Noch waehrend man den Obstkuchenfleck auf seinem Alt-F4 Shirt breitreibt,
hoert man vor der Tuer die Nachbarskinder tuscheln und "wenn du mich
aergerst, hol ich meinen grossen Bruder und der haut dich" scheint
obsolet zu sein, jetzt bedrohen sie sich mit "dann hackt der dein Konto"
und das geht spaetestens dann schief, wenn sie uebermuetig den Dorffaschos
mit "und der macht dir Punkte in Flensburg" drohen.
Und langsam reift die Erkenntnis, dass man seinen Eltern erzaehlen will,
man wuerde jetzt Baecker oder Kfz-Mechaniker oder Bankdirektor.
Oder Bundeskanzler!
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