summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/updates/2005/pfitzmann.md
blob: 548de09be9131988824e6db472a2c46bcb446eb5 (plain)
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
title: BSI lädt kritischen Wissenschaftler von Kongreß aus
date: 2005-04-04 00:00:00 
updated: 2009-04-18 19:12:38 
author: webmaster
tags: update


Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat einen bereits
zugesagten Vortrag des Dresdner Wissenschaftlers Andreas Pfitzmann
abgesagt, um kritischen Stimmen zu biometrischen Verfahren keinen Raum zu
bieten.
        

<!-- TEASER_END -->

[Professor Andreas Pfitzmann](http://dud.inf.tu-dresden.de/) arbeitet in
den Schwerpunkten Privatsphäre und Computersicherheit an der Fakultät
für Informatik der TU Dresden. Unter anderem wurde er durch seine Arbeit
an Anonymisierungssoftware, vor allem dem [Java Anonymising Proxy
(JAP)](https://anon.inf.tu-dresden.de/), bekannt.

Für den [9. Deutschen
IT-Sicherheitskongreß](http://www.bsi.bund.de/veranst/bsikongress/) des
[Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik
(BSI)](http://www.bsi.bund.de/) im Mai wurde Prof. Pfitzmann als
Referent angefragt. Daraufhin hatte er einen Vortrag unter dem Titel
["Werden biometrische Sicherheitstechnologien die heutige
IT-Sicherheitsdebatte vor neue Herausforderungen
stellen?"](Pfit05BSI012.pdf) vorgeschlagen und mit Dr. Otto Ulrich vom
BSI abgestimmt. In der Folge [lud das BSI Prof. Pfitzmann zum Kongreß
ein](BSI-Kongr-Ref-09032005.pdf).

Offenbar auf Druck des Bundesministerium des Innern (BMI) hat der
[Präsident des BSI, Dr. Udo
Helmbrecht](http://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Helmbrecht), in einem
[Schreiben an Professor Pfitzmann](9Dt-IT-SichKongr-Mai2005.pdf)
kurzfristig die Einladung zurückgenommen. Als Grund werden Zeit- und
Raummangel angeführt - bislang wurden jedoch keine Ersatzvorträge
benannt.

Wahrscheinlicher scheint, daß dem BMI eine qualifizierte Betrachtung des
Themas Biometrie zu riskant erscheint. Wie die wissenschaftliche
Forschung zeigt, gibt es erhebliche Schwierigkeiten beim
großmaßstäblichen Einsatz biometrischer Sicherheitstechnologien. Ein
möglicher Zugewinn an Sicherheit steht in keinem Verhältnis zum
erforderlichen Aufwand.

Belege hierfür finden sich unter anderem in den TAB-Berichten
[76](http://www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab76.pdf) und
[93](http://www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab93.pdf) des
[Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen
Bundestag](http://www.tab.fzk.de/) ebenso wie in den Studien BioP und
BioFinger des BSI.

Eine Analyse der beiden BSI-Studien enthält die neue Ausgabe der
[Datenschleuder](https://ds.ccc.de/), die ab Ende dieser Woche im gut
sortierten Zeitschriftenhandel erhältlich ist.

Weitere Informationen zu Biometrie siehe
<https://www.ccc.de/biometrie/>. Eine [Interpretation des
Vorgangs](http://rabenhorst.blogweb.de/archives/117-Dunkles-Zeitalter-2.-Teil.html)
bietet das auch sonst sehr lesenswerte Blog rabenhorst.