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2008/07/23 21:06 Datenmessie

Es gibt so Tage, da liebe ich mein Heimatland einfach. Die ganzen vermufften spiessigen Strukturen, das braesige Bildungsbuergertum und ihre Ordnungsliebe.

Heute war so ein Tag. Nach der Investition von nur 41EUR habe ich nun meine Sammlung komplett. 12 Jahre digitale Fernmeldegeschichte nur eine handbreit entfernt und niemand kann mich mehr aufhalten. Aber der Reihe nach.

Wie schon in Die Datenschleuder #77 (Seite 26) und Die Datenschleuder #86 (Seite 63) angedeutet, habe ich eine – nennen wir es – Sammelleidenschaft fuer elektronisch erfasste Telefon-Teilnehmerverzeichnisse. Gut, man kann argumentieren, dass sich die wirklich spannenden Leute eh nicht dort eintragen lassen, dass die automatisierte Auswertung datenschutzrechtliche Fragen beruehrt, dass dort bewusst falsche Datensaetze eingetragen wurden, um Kopien von Konkurrenten zu entdecken.

Man kann aber nicht leugnen, dass sich aus den Informationen zumindest spannende Trends ableiten lassen. Dass sich diese Trends wieder auf den Einzelnen anwenden lassen und so ein buntes, bewegtes Bild Deutschlands gewinnen laesst.

Vor ungefaehr einem Jahr wurde mir klar, dass man mit den wenigen Momentaufnahmen, die ich aus sportlichen Gruenden aus dem Telefonbuch gewonnen habe, keinen langfristigen Blumentopf gewinnen kann. Und wenn ich eh immer die neueste Version der Daten brauche, dann koennte ich gleich ein Archiv anlegen.

Mein erster Gedanke war natuerlich eBay, die Ausbeute dort jedoch nicht sehr ergiebig. Bevor ich in einem hellen Moment mal google ausprobierte und mit der Nase auf amazon gestossen wurde, ging die Akquise nur sehr schleppend voran, da auch keiner meiner bekannten Nerds (sonstige Freunde sowieso nicht) so alte CDs/DVDs in ihren Grabbelkisten finden konnte oder wollte, so sie meine Nachfragen ueberhaupt fuer voll genommen hatten.

Haendler, die noch auf Restposten der diversen Jahrgaenge sassen, freuten sich natuerlich die Platze, fuer den Plastemuell noch den einen oder anderen Euro (in Einzelfaellen gar den unverschaemten Neupreis) zu verdienen, um ihre Lagerflaechen zu entlasten. Bei der Herbstausgabe 1998 war aber auch hier die Antiquitaetsgrenze erreicht, auch, wenn lustigerweise immer noch einzelne Haendler Fruehjahr '98 im Inventar listen, um mir dann bei Bestellung aus "Fehlinventarisierungsgruenden" abzuspringen oder – aus Vorfreude aufs Paket-Sicht noch schlimmer – einfach die aktuell verfuegbare Nachfolger-CD zu schicken.

Die Recherche erbrachte interessanterweise noch andere Interessenten an den Scheiben, naemlich Hobby-Ahnenforscher. Und dort fand ich dann endlich den Schluessel fuer die noch fehlenden Telefonbuecher: Bibliotheken. Auch, wenn natuerlich keine der oeffentlichen Bibliotheken antike Telefonbuch-CDs rumliegen hat, kann man sich ueber das Konzept der Fernleihe alle deutschlandweit verfuegbaren Exemplare zukommen lassen. Und nachdem ich auch noch in das Erlernen des Unterschieds zwischen Staats- und oeffentlichen Bibliotheken 25 Euro investieren durfte, befinden sich nunmehr alle Silberscheiben auf dem direkten Wege zu mir.

Ein Hurra auf ein Land, das Literatur nicht einfach verbrennt oder irgendwo vergammeln laesst, sondern fein saeuberlich aufbewahrt. Und einen verstaendnisloses Dreinstieren, wenn man den Fakt bedenkt, dass nun vier fragile Plastedatentraeger mit ein paar Megabyte historischer Informationen durch Deutschland gekarrt werden, wo es doch nun sogar fuer elektronische Medien eine digitale Ausleihe gibt.

Zugegeben, der Umstand, dass man dort die elektronischen Werke "ausleihen" und "zurueckgeben" muss und dass jeweils nur ein "Exemplar" "ausgeliehen" werden kann, macht einen nachdenken. Fuer meinen Fall spielt das aber leider keine Rolle.

Fuer meine werte Leserschaft nun noch die – in Saisonhinsicht relativ vollstaendige – Liste der bei mir verfuegbaren Ausgaben. Aufgefuehrt, damit Hacker mit aehnlichem Hobby auf der google-Suche vielleicht hier vorbeikommen und sich die Recherchearbeit sparen. Auch eventuelle Sachspender koennen hier ueberpruefen, ob ihre zuhause verstaubende CD noch nutzbringend Anwendung finden kann. Ueber die 4 CDs von 1996 bis Fruehjahr 1998 wuerde ich mich natuerlich immernoch freuen, da ein kurzfristiger Blick auf die Bibliotheksversion lange nicht so spannend ist, wie der Besitz des Originals. Ansonsten sind die "Map&Route"-Versionen der Telefonbuecher immer gerne genommen, weil auf denen Geokoordinaten Hausnummern- statt Strassen-genau mitgeliefert werden.

In der Tabelle steht links D2 fuer DVD, Stand Februar und C9 fuer CD, Stand September des jeweiligen Jahres. Kommata im Namen wurden an Zeilenumbruechen auf dem CD/DVD-Cover eingefuegt, Punkte verbatim kopiert und bei "DasTelefonbuch" habe ich kein Space vergessen, das heisst seit Herbst 2003 wirklich so.

-2Telefonbuch für Deutschland, Version 1.0 [1996]3-931424-09-X
-2Telefonbuch für Deutschland, Frühjahr 19973-931424-37-5
-?Telefonbuch für Deutschland, Herbst 19973-931424-??-?
-1Telefonbuch für Deutschland, Frühjahr 19983-931424-50-2
C8Telefonbuch für Deutschland, Herbst 19983-931424-60-X
C1Telefonbuch für Deutschland, Frühjahr19993-931424-67-7
C9Das Telefonbuch. Für Deutschland, Herbst 19993-931424-74-X
C2Das Telefonbuch. Für Deutschland, Frühjahr 20003-931424-80-4
C8Das Telefonbuch. Für Deutschland, Herbst 20003-931424-89-8
C2Das Telefonbuch. Für Deutschland, Frühjahr 20013-931424-98-7
C8Das Telefonbuch. Für Deutschland, Herbst 20013-934073-04-2
C2Das Telefonbuch. Für Deutschland, Frühjahr 20023-934073-14-X
D8Das Telefonbuch und Gelbe Seiten. Map&Route. Herbst 20023-934073-26-3
D2Das Telefonbuch und Gelbe Seiten. Map&Route. Frühjahr 20033-934073-30-1
C8DasTelefonbuch, Deutschland, Herbst 20033-934073-36-0
C2DasTelefonbuch, Map&Route, Frühjahr 20043-934073-44-1
C8DasTelefonbuch, Map&Route, Herbst 20043-934073-52-2
C2DasTelefonbuch, Map&Route, Frühjahr 20053-934073-61-1
D2DasTelefonbuch, Gelbe Seiten, Map&Route, Frühjahr 20053-934073-64-6
C8DasTelefonbuch, Deutschland, Herbst 20053-934073-68-9
C2DasTelefonbuch, Deutschland, Frühjahr 20063-934073-75-1
C8DasTelefonbuch, Deutschland, Herbst 20063-938913-01-0
C2DasTelefonbuch, Deutschland, Frühjahr 20073-938913-08-6
D2DasTelefonbuch, Gelbe Seiten, Map&Route, Frühjahr 20073-938913-10-9
D8DasTelefonbuch, Gelbe Seiten, Map&Route, Herbst 20073-938913-18-5
D2DasTelefonbuch, Gelbe Seiten, Map&Route, Frühjahr 20083-938913-23-9

2008/02/07 19:27 Wahle beobachte

Ich bin einer von denen. Einer von diesen Stressern, die herumfahren und dabei zugucken, wie andere Leute Wahlen abhalten. Wahlen mit Wahlcomputern, um genau zu sein. Und sich das dann alles aufschreiben und stumm nicken oder murmeln oder mit dem Kopf schuetteln.

Ich bin aber auch einer von denen, die dann im Namen des CCC an Pressemitteilungen schreiben und garstige Dinge ueber unsere Demokratie sagen. Und ueber die Wahlhelfer und die Ablaeufe und die Firmen, die versuchen, an der Wahl Geld zu verdienen.

Zwischen diesen Persoenlichkeiten klafft eine Luecke. Wenn ich da draussen in fremden Doerfern im Rathaus stehe, oder vor Politikern, mit denen ich eigentlich nichts zu tun habe, dann faellt mir die Artikulation ploetzlich schwer. Dann stehe ich naemlich genau den Leuten gegenueber, die ich doch eigentlich meine.

In dieser Konfrontation muss ich dann zu hoeflichen Floskeln greifen. Da stehe ich im Wahllokal vor den Wahlleitern. Dann muss ich Dinge sagen wie "natuerlich denke ich nicht, dass hier bei den Wahlen betrogen wird". Und das, wo ich doch eigentlich Dinge meine wie "Sie sind doch verdammt nochmal Beamter und haben einen Eid auf dieses Land geschworen und sollten sich darueber freuen, dass dieses Land Sie sicher und solide bezahlt und es sollte ihnen die zwei Stunden extra Auszaehlen wert sein."

Und dann stehe ich vor den Lokalpolitikern. Und da muss ich auch Dinge sagen wie "natuerlich denke ich nicht, dass hier bei den Wahlen betrogen wird". Und das, wo ich doch eigentlich Dinge meine wie "Woher zum Geier soll ich wissen, dass Sie nicht betruegen. Ich kenne sie doch gar nicht. Und ich kenne auch keinen der Wahlvorstaende hier. Und Sie sind verdammt nochmal in der gluecklichen Lage, das Vertrauen Ihrer Waehler zu geniessen und die Verantwortung, die diese an Sie delegiert haben. Und Sie sollten diese Legitimation ueber jeden Zweifel erhaben auch in der Wahl gewonnen haben."

Und dann sitze ich vor den Firmen, die den Gemeinden Wahlcomputer aller Coleur verkaufen wollen. Und dann sage so Dinge wie "Natuerlich denke ich nicht, dass ihre Wahlcomputer bei den Wahlen betruegen, aber..." Und das, wo ich doch eigentlich Dinge meine wie "Ihr wollt verdammt nochmal mit eurer Dilettantenhard- und software an der Demokratie verdienen. Und ihr werdet damit den Boesen Werkzeuge in die Hand geben, Wahlen zu ihrem Gunsten manipulieren zu koennen. Deswegen ist es eure Aufgabe, eine Transparenz herzustellen, die alle – und auch wirklich Alle – davon ueberzeugt, dass die Wahl demokratisch kein Rueckschritt ist."

Und es ist – nicht! nein! – nicht so, dass ich mich darauf zurueckziehen moechte, Dinge zu sagen wie "Aber was, wenn spaeter einmal jemand kommt, der das mit der Demokratie nicht so genau nimmt." Weder den Wahlhelfern, noch den Politikern, noch den Firmen. Weil es so ist, DASS sie es mit der Demokratie nicht so genau nehmen, wenn sie in einer stillschweigenden Bequemlichkeitskonspiration Zeit gegen Geld eintauschen, das nicht ihr eigenes ist. Weil ich nicht den geringsten Grund habe, diesen Leuten dort heute mehr zu vertrauen, als potentiellen nachfolgenden Generationen von korrupten Politikern, Beamten oder Firmen. Weil die Zeitung schon heute voll ist mit Berichten ueber korrupte Politiker, Beamte und Firmen.

Und dann sollte mich der gemuetliche Strickpulli und der Schnauzbart und die korrekte Brille meines Gegenuebers nicht davon abhalten, meine grundsaetzliche Distanz beizubehalten. Und meine Bescheidenheit sollte mich auch nicht davon abhalten, von den Damen und Herren die Mehrarbeit einzufordern, die eine wehrhafte Demokratie nun eben kostet und die im Kleinen anfaengt. Die dort beginnt, wo man der vielbeschworenen Verdrossenheit ein Zeichen entgegensetzt. Dass man es naemlich doch noch genau nimmt mit den Wahlen.

Und ich sollte meinen dicksten Pullover anziehen und Euch das auch mal ins Gesicht sagen. Werd' ich aber nicht machen. Aber ich werde mich natuerlich wieder als Wahlhelfer melden.

2007/12/07 02:55 Ausgeknipst

Eine der beeindruckendsten Erfahrungen in diesem Jahr war, den Sternenhimmel zu sehen. Und das nicht in der homoeopatischen Darreichungsform, die der Mitteleuropaer gewohnt ist. Nein, im direkten Kontrast zum Milchsuppenhimmel in Tokyo, an dem man mit viel Muehe den Polarstern ausmachen kann, habe ich kaum 72h spaeter mit dem Ruecken auf einer eher abgelegenen Strasse in einem abgelgenen Gebiet Nordaustraliens eine Ahnung davon erhalten, wie unsere Vorfahren wohl den Himmel erlebt haben.

Der Anblick ist schwer zu beschreiben, man wird foermlich ueberwaeltigt von tausenden und abertausenden funkelnder Punkte, und ueberall, wo man meinte, dunkle Bereiche zu entdecken, werden sie beim genaueren Hinschauen mit noch mehr Sternen gefuellt. Waehrend der zwei Wochen Fahrt durch Australien habe ich diesen Himmel liebgewonnen.

In Europa sieht es – wie eingangs erwaehnt – am Himmel ziemlich truebe aus. Durch Streuung in der Luft und partielle Reflexion in den hoeheren Schichten der Atmosphaere trifft man in Mitteleuropa nirgends mehr auf Orte mit aussergewoehnlich dunklem Himmel.

Waehrend Slovenien in einem Gesetz aus dem Sommer dieses Jahres versucht, der Lichtverschmutzung Einhalt zu gebieten, fallen andere europaeische Staaten wie Belgien mit den nachts grell beleuchteten Autobahnen besonders stark auf Satellitenbildern auf.

Daneben gibt es noch hunderte andere Quellen der Lichtverschmutzung, von schlecht gerichteter Strassenbeleuchtung ueber Reklametafeln, Diskoleuchtfingern, Flutlichtanlangen bis zum Strassenverkehr. Das Abblendlicht eines einzigen vorbeifahrenden Autos hat in der australischen Steppe auf der Stelle 75% der Sterne verschwinden lassen.

Nun gibt es am Samstag abend um 2ooo Uhr in Deutschland eine umstrittene Aktion, fuer fuenf Minuten alle Lichter auszuschalten, die auf Energieverschwendung hinweisen soll. Ist mir eigentlich egal, nur – wenn sich alle daran hielten – bestuende die entfernte Moeglichkeit, auch in Berlin mal wieder die Milchstrasse zu sehen.

2007/11/24 21:28 Lebensstilreflexion

Manchmal fragte ich mich ja sowieso schon, was mich zum Wohnen in diesem meinen Kiez getrieben hat. Nun hat die Zeit eine schonungslose Abrechnung mit der "Generation Prenz'lberg" geschrieben, die mir aus dem Herzen spricht und mich gleichzeitig doch selber so betrifft. Feine Schreibe und Dutzende zitatfaehige – den Nagel unglaublich genau auf den Kopf treffende – Saetze.

2007/11/24 12:49 Bekannte Gastgeber

Ein Eintrag aus der "note to self"-Rubrik. Heute: wie man trotz der bescheuerten openssh-Tools den Fingerprint eines Hosts aus der ~/.ssh/known_hosts extrahiert. Geht in einer Zeile. PK=`mktemp /tmp/XXXXXXXX`; ssh-keygen -F HOST_TO_FINGERPRINT > ${PK}; ssh-keygen -f ${PK} -l; rm ${PK}.

2007/08/31 00:43 Pauker

Ich hatte einen coolen Mathelehrer. Wirklich. Beim Wuehlen in meinen alten Gitarrennoten habe ich eine von ihm handschriftlich geschriebene Antwort auf einen schrecklich naiv-polemischen Beitrag meinerseits in der vor 13 Jahren gedruckten Schuelerzeitschrift gefunden.

Das erste mal hatte ich in der achten oder neunten Klasse bei ihm Unterricht. Er sass im Schneidersitz mit einem Hüsker Dü-Shirt, ner zerrissenen Jeans und Chucks auf einer der vorderen Schulbaenke, wartete, bis alle Schueler im Raum waren uns machte sich einen Spass daraus zu beobachten, wie wir alle darauf warteten, wo denn der Lehrer blieb. Gleich nach dem Klingeln sprang er dann vom Tisch und begann mit dem Unterricht

Nunja, ihm hatte ich zu verdanken, dass ich mir schon im zarten Abiturientenalter Robert Michels Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie und die richtige Musik reinzog und spaeter selber zur Stromgitarre griff. Natuerlich hat er auch auf eine ziemlich stilsichere Art Mathematik heruebergebracht und mich sicher trotz meiner Faulheit durch das Abitur bugsiert.

Als ich nun mal hinter ihm her recherchiert habe, stellte sich raus, dass er an der Schule die eine AG Schulband angeleiert hat, eine Kryptographie-AG betreut und noch immer im Kapuzi herumlaeuft. Schoen, dass der Schulbetrieb noch immer so starke Persoenlichkeiten zu bieten hat! Mal auf einem Ehemaligentreffen zu treffen versuchen.

2007/07/23 17:19 Fruehstuecksueberwachungsverein

Das geschaetzte Frollein Halbe ist aufmerksame Testerin Berliner Fruehstueckslokalitaeten. Im von ihr mit Berichten versorgten Blog Fruehstueck in Berlin, das sich durch einen entspannten Podcast hervortut, habe nun auch ich meine ausgiebige Erfahrung mit der Berliner Fruehstueckerszene in einer Kooperation verewigt. Subscribieren, natuerlich!

2007/04/30 10:54 Herrenwitz

In den meisten Berliner Kneipen, also zumindest in denen, wo der sich anbahnende Geschlechtsverkehr ehrenamtlich ist, haengen in den Herrentoiletten Automaten, in denen der geneigte Herr Praeservative erwerben kann.

Auf dem im Restaurant "Fellas", welches sich besonders dadurch hervortut, dass es auch Sonntags noch bis 17ooUhr Fruehstueck (und zwar Fruehstueck und kein Brunch) anbietet, strahlte mich nun heute in Katerlaune folgender Anblick an, brachte mich zum lange nachdenken und rettete meinen Tag:

2007/04/19 15:06 Art and beauty

Ein Gutteil meiner Sozialisierung fand unter Nerds statt. Und nicht die Art Nerds, die sich primaer durch unansehnliche Karohemden auszeichnen und in den Oednissen des Linuxkernels vergraben. Auch nicht die Art Nerds, die mit Loetkolben und Phasenpruefer bewaffnet alles zerforschen, was ihnen in den Weg stellt (auch, wenn mir das nicht komplett fremd ist). Und schon gar nicht die Art Nerds, die das Netz fuer das hoechste der Gefuehle halten und, einmal im Jungle freigelassen, zwar nach 3 Stunden verhungern wuerden, aber fuer die letzten beiden Stunden noch Mail und IRC organisiert haetten. Nein! All diesen Nerdstaemmen begegnete ich erst deutlich spaeter.

Dort, wo ich gross wurde, hat man die Bits noch mit der Hand gepflegt. In Assembler. Und man hat sie bevorzugt dahin getan, wo sie vor Farben spruehende Bilder unterlegt mit moderner Musik erzeugt haben. Ziel des Spiels war und ist es, mit moeglichst wenig Ressourcen (deren kuenstliche Verknappung noch zu den besonderen Disziplinen gehoert) beeindruckende echtzeitberechnete Filmsequenzen zu generieren. Dabei reichte das damals uebliche Spektrum von (Star Trek inspirierten) Sternenfeldern, Scrolltexten aller Coleur, Feuer- und Plasmaeffekten, 2,5D-Bildprojektionen bis zu Tunneleffekten, zum Echtzeit-Raytracing- und casting, zu Voxelspaces und zum Texture-Mapping und -Shading aller Art. Diese Sequenzen werden Demos genannt und ueblicherweise treffen sich die Nerds auf Demoparties, um sich in "Compos" gegenseitig ihr Produktionen vorzufuehren und darueber abzustimmen, welche am tollsten ist.

Warum ich das alles schreibe? Zu Ostern habe ich kurz vorm Altwerden nochmal die Breakpoint besucht, um mich nostalgisch mit dem Jungbullenmief zu umgeben, der dort latent durch die Halle schwebt, oder hoeflicher: "Den Spirit zu atmen" sozusagen. Waehrend ich im Allgemeinen eher vom hohen Durchschnittsalter schockiert war (damals waren wir und alle anderen noch pubertierende Nerds), gab es doch ein paar altbekannte Gesichter zu gucken und bei den PC-Demos eine (leider nicht live erlebte) Kinnladenrunterklapp-Demo. Die Gruppe Farbrausch veroeffentlichte Debris (als Video). Das besondere an diesem, auch stilistisch sicheren und kuenstlerisch sehr kreativen, Film ist seine Dateigroesse. In rund 180 Kilobyte haben alle Texturen, Modelle, Kamerapositionen und Blickwinkel, die Beleuchtung, Bewegungsmuster der Objekte, der Programmcode zur Animation, die gesamte Musik und nicht zu vergessen der Datenblock am Anfang der .EXE, der dem Betriebssystem verraet, welcher Art die ausfuehrbare Datei ist. Zum Vergleich: 180kb divx sind kaum 2 Sekunden animiertes Bild in 1024x768, 180kb mp3 sind unter 10 Sekunden Musik, ein PC-Programm, das nichts weiter tut, als "Hello World" auf dem Bildschirm auszugeben, ist bereits 3kb gross.

Einziger Wehrmutstropfen: durch die Konzentration auf den gebuersteten Stil und das, was Farbrausch am besten kann, Texturen und Objekte zu komprimieren, bleiben andere Arten von Effekten, die nicht von der Grafikkarte erledigt werden, zunehmend aussen vor. Aber ich glaube, dass ich erst ningeln sollte, wenn ich selber wieder mal an einer Demo mitgeschrieben haben.

2006/12/15 20:16 Nikolaus

Wie fuer jeden respektablen vierzehnjaehrigen Vorstadtpunker gehoerte auch fuer mich die Wahl der passenden Fussbekleidung massgeblich zur Definition des Erscheinungsbilds. Ein Rundumblick in meiner damalige Kohorte – besser gesagt auf deren Botten – verriet mir ziemlich schnell, wohin der Zug gehen sollte: Aus einem mir damals komplett verborgenen Grund heraus haben es Doc Martens Schuhe geschafft, in der links-intellektuell links-liberal und links-radikalen Szene zum shoe-to-wear aufzusteigen. Und die natuerlich moeglichst bunt – moeglichst ungepflegt, eventuell mit Gloeckchen an roten Baendeln und selbstbemalten Bluemchen auf dem Leder fuer die Maedchen, mit reichlich innovativem Fixierkram wie Gaffaband, Sicherheitsnadeln und Jeansbuegelflicken fuer die Herrn – und natuerlich mit Stahlkappe fuer die harte Fabrikarbeit und die taeglichen Pruegeleien mit den Rechten ;) Die Wahl der Schnuersenkelfarbe war natuerlich essentiell! Nie durfte man sich mit weissen blicken lassen, jene waren den Nazis und den Punks, die sich wie Nazis verkleiden, um sie dann besser verhauen zu koennen (fragt nicht, war so ;) vorbehalten. Mit roten und gestreiften war man schon von Weitem als eher radikalerer Linker zu identifizieren, die rosanen (naja.. eigentlich trug nur einer meiner Bekannten rosa Senkel) zeichneten Mitglieder der radikalen schwulen Szene aus. Mit schwarzen, so wie sie aus dem Laden kamen, outete man sich so irgendwie als Modepunk, hatte aber auch im Zweifel vor allen Radikalen Ruhe und lief (fuer damalige Verhaeltnisse) nicht mit Markenschuhen herum.

Daran, mir mein eigenes Paar zu besorgen, fuehrte so natuerlich kein Weg vorbei – allein in Berlin waren diese Treter mit fast zwohundert Mark und einem Taschengeld von zwoelffuffzich in der Woche unerschwinglich teuer. Davon musste man sich naemlich auch noch die restliche szenetypische Verkleidung, wie Kapuzenpullis und bedruckte T-Shirts, heranschaffen.

Wie es der Zufall so wollte, fuehrte mich mein Nerdhobby auf ein Geekzusammentreffen in London. Meine Eltern liessen fuer die Reise Kohle springen, schliesslich ging es ja auch um Weiterbildung und ich konnte die Welt kennenlernen, uuuuuuund – alle Punkerfreunde waren neidisch – gab es Geruechten zu Folge in London bei Shelleys Doc Martens fuer 30 Pfund, rund 90 DM. Dort hatte sich Doc Martens als lose Marke fuer alle Hersteller von billigen Arbeiterbotten gehalten und es war schwer, mit den Preisen anzuziehen. Ueberhaupt koenntet ihr euch mal mit der Geschichte und dem eher unruehmlichen Ende der Marke (fuer mich) vertraut machen. (Hier noch mehr.)

Fuer mich war ganz klar, dass ich die Chance nutzen musste, mir die Schuhe dort zu kaufen. Neunzig Mark waren jedoch auch kein Pappenstiel. Also machte ich meine ersten Versuche mit der Marktwirtschaft als Schuhverkaeufer. Ich sammelte Bestellungen ein schlug dreiste 20 Mark drauf, von denen ich jedoch nur zehn offiziell als Aufwandsentschaedigung deklarierte, die andere Haelfte log ich mit hoeheren Einkaufspreisen, stark schwankenden Wechselkursen und grosszuegigem Aufrunden zusammen. Am Ende musste ich nur noch zehn Mark aus meiner eigenen Tasche bezahlen, was ich fuer eine Reise nach London und ein paar In-Boots als ziemlich lockeren Deal empfand.

Ironischerweise waren das wirklich die billigsten Boots, die ich jemals gekauft habe (selbst bei unsubventioniertem Preis), welche dann mit drei Jahren fast durchgaengiger Benutzung auch noch am laengsten gehalten haben. Schon die direkt im Anschluss gekauften Docs gaben bereits nach einem halben Jahr ihren Geist auf, da die Marke nun offiziell zur Modeschuhmarke verkommen war.

Leider hatte ich meiner Tollpatschigkeit wegen die Stahlkappe extrem liebgewonnen. Nach allem, was mir da schon draufgefallen ist, wuerden mir heute bestimmt eine handvoll Zehen fehlen. Die Marktsituation bei den Stahlkappenboots war aber nicht besonders rosig: Die Naht ueber der Kappe, wie sie andere Hersteller drauftun, finde ich schlicht haesslich. Aufgenaehte Flammenmuster auch. Gluecklicherweise entdeckte ich die (in Google einfach unauffindbare) Schuhfirma Tredair, die erstens im Gegensatz zu Doc Martens nicht Kinder in Vietnam und China naehen laesst und zweitens auch einfach viel tollere Schuhe macht. Die Naht am Hacken faengt nicht schon nach zwei Wochen Benutzung mit Aufdroeseln an, da noch liebevoll ein Stueck Leder herumgenaeht ist, die Pappe unter der Kappe bricht einfach selbst mit meinen destruktiven Zehen nicht. Meine letzten haben anderthalb Jahre gehalten und das ist eigentlich mehr, als man von taeglich und ueberall getragenen Botten erwarten kann.

Als ich jedoch vor zwei Wochen bei meinem lokalen Stammdealer Nachschub holen wollte, fiel ich fast aus allen Wolken: Zehnloch gibt es gar keine mehr und Achtloch kaemen erst wieder rein. Die Produktion scheint eingestellt, oder nicht mehr zu lohnen, oder allein der Import nicht mehr zu lohnen, kurzum: Ich machte mich auf eine Recherchereise im Internet, um eventuell direkt von Werk zu ordern oder vielleicht einen obskuren Importeur zu finden. Aber nix! Man findet sie ueberhaupt kaum und wenn, dann in Farben, die erklaeren, warum sie noch zu haben sind oder als schmucke Halbschuhe.

Und heute... heut habe ich dann wenigstens noch die Achtloch eingesackt. Und zwar gleich zwei Paar. Man weiss ja nie, wie lange es die noch gibt...

2006/11/12 04:12 Wahlhelfer

Mit zwoelf wurde ich das erste Mal Zeuge einer freien, geheimen demokratischen Wahl. Mein Vater nahm mich nach dem Sonntagskaffee mit in unser Wahllokal. Die Helfer waren aufgeregt und die Stimmung feierlich. In einer Ecke sass der frisch arbeitlose Offizier und zaehlte die Waehler – aus reiner Gewohnheit. In der anderen wachte der oertliche Buergerbewegte seinerseits ueber den ordentlichen Ablauf.

Ich war ein unertraeglicher Klugscheisser und wollte natuerlich nicht glauben, dass es keine Moeglichkeiten zum Betrug gaebe. Also piesakte ich meinen Papa mit dutzenden "aber was, wenns" – doch all mein angestrengtes ausgefuchstes Nachgruebeln konnte nichts zutage foerdern, wie die Wahl zu manipulieren sei. Vom anfaenglichen Fuellstand der Wahlurne ueber die Anzahl der Stimmzettel pro Waehler bis zum Zusammenzaehlen der Stimmen anhand von Kreuzen in bestimmten Kreisen – die gesamte Prozedur konnte buchstaeblich von einem Sechstklaessler ueberwacht werden. Sogar die korrekte Uebermittlung der Ergebnisse aus dem Wahllokal konnte ein Blick in die Lokalzeitung am naechsten Morgen bestaetigen. Auf mich machte all dies gehoerigen Eindruck. Wer immer sich dieses Verfahren ausgedacht hat, hatte absichtlich fuer alle Probleme die einfachste, uebersichtlichste Loesung gefunden.

Sechzehn Jahre spaeter sehe ich fassungslos Bilder aus Cottbus. Dort verwandeln Waehler ihre Stimme in schmucklosen grauen Plasteboxen in den Ladungszustand von ein paar Flipflops im Innern veralteter Prozessoren in Computern aus den Gruenderjahren. Und ploetzlich stelle ich mir vor, wie ein kleiner vorlauter Dreikaesehoch seinem Papa ordentlich mit Fragen einheizt.

2006/10/21 01:04 Drucke

Hab beim Stromern durch den lokalen Saturn wegen "wie billig ist _DAS_ denn?!" einen HP LaserJet 1018 fuer sagenhafte 78EUR geshoppt. Boeses Erwachen kam natuerlich zu hause: der Drucker laeuft nicht nur sprichwortlich nur unter Windows, sondern NUR unter Windows. So mit Firmaware uebers USB-Interface in Raw auf den Drucker schreiben und einer PostScript-Rastersoftware, die auch nur unter Windows laeuft. Auch Versuche, den mittels schwierige-Faelle-Framework foo2zjs anzusteuern, schlugen schwer fehl. Schade drum.

Zweiter Versuch dann mit vorher Informieren: der guenstigste Netzwerk- und PostScript (sogar Level 3)-faehige Drucker am Markt ist im Moment der Samsung ML-2571N. Ausgepackt, ans Netz gesteckt, DHCP-Adresse vermittelt, IP in den Drucker-Dialog eingetragen, 120-Seitendokument gedruckt (naja die ersten 32 Seiten ;)... bin begeistert. Jetzt mal gucken, wie lange der haelt... macht aber einen soliden Eindruck. Achja, Preis mit Versand: rund zwohundert Euro. Daumen: hoch

2006/10/18 02:19 Hirsch

Heute lecker Hirschbraten auf Knoedel und Apfelrotkohl im lokalen Hausmannskostladen Kartoffelkeller (uh man, welch heroisches Beispiel, wieso man bei der Webpraesenz weder am Design noch am Domainnamen sparen sollte)... Und dabei ist mir aufgefallen, dass man eigentlich sicher sein kann, nix aus Massentierhaltung zu vertilgen, wenn man sich von aussergewoehnlichen Tierarten ernaehrt. Mjam.

2006/10/11 17:14 Neunzehnvierundachtzig

Das Akku meines guten alten 12" PowerBook G4 ist inzwischen so abgelatscht, dass es, wenn die Festplatte mal anspringt, gerne die Hufe hochstreckt und den Rechner ausgehen laesst. (Wenn ich nicht noch die irrationale Hoffnung auf ein 12" MacBookPro haette, haette ichs schon ersetzt...) Gepaart mit einer defekten Backupbatterie macht das regelmaessig 1984 auf meinem Rechner. Genauer gesagt 01. Januar 1984 gegen ein Uhr. Und zwar so lange, bis das OS sich entschliesst, das Datum mit den Timeservern abzugleichen.

Normalerweise passiert das, wenn er ne neue defaultroute bekommt, heute jedoch hatte ich vorher schon mit meinem Rechner gearbeitet und mich erstmal gewundert, warum Safari schlicht stehenbleibt und nicht auf Eingaben reagiert. Zudem warf ich ein laenger dauerndes wget an. Nachdem ich den Zeitabgleich dann haendisch angeworfen hab, erbrach sich wget folgendermassen in meine Konsole:

19% [====>              ] 315,586,864    0.32B/s  retr.c:291: failed assertion `msecs >= 0'
Abort trap

Mjam. Millisekunden rumgewrappt, 22 Jahre waren dann doch zu viel fuer die fancy progress bar implementation. Da MUSS man natuerlich sofort das Handtuch werfen.

Nachtrag

Und natuerlich enttaeuscht mich wget auch beim weiteren Herunterladen eines 2298815162 Bytes langen Files nicht:

HTTP request sent, awaiting response... 200 Coming Up
Length: -1,996,152,134 [application/octet-stream]

    [ <=>                                 ] 1,226         --.--K/s             

19:59:08 (11.69 MB/s) - `<FILENAME>' saved [1226/-1996152134])
Und nein, es ist nicht der Webserver, der da die Content-Lenght so rausgib:
HTTP/1.1 200 Coming Up
Content-Type: application/octet-stream
Server: Gatling/0.9
Content-Length: 2298815162
Qualitaetssoftwaere.

2006/10/08 18:53 Humankapital in der Aufmerksamkeitsoekonomie

Ab und zu gehen mir komplexe Gedankengaege durch den Kopf, die mich erst ernsthaft ruhen lassen, wenn ich sie niedergeschrieben habe. Wenn sie dann fertig formuliert sind, weiss ich nicht, wohin damit. Da bietet sich doch mein Blog foermlich an. Wenn mich also jemand fragt, wieso ich es bedenklich finde, wenn Jugendliche wochenlang World of Warcraft spielen, warum Spam nicht einfach nur eine Annoyance ist, sondern die Gesellschaft erodiert und wieso auch in seltsamen amerikanischen Prozessen Fettleibiger gegen Nahrungsmittelkonzerne ein Koernchen Wahrheit steckt, wenn ich begruenden soll, warum die Gruenen einst links waren und nun konservativ sind, kann ich auf diese Gedanken verweisen.

Humankapital in der Aufmerksamkeitsoekonomie

Es faellt schwer, mit einem Kapitalisten zu diskutieren, der mit der leicht erfassbaren Groesse Geld ein maechtiges Werkzeug hat, seinen Erfolg zu messen, waehrend man selber nur mit weichen Groessen argumentieren kann. Alle Argumente, die man eigentlich mit gesundem Menschenverstand von allein erfassen sollte, muss man dabei in monetaere Ausdruecke abbilden. Man mag dies zynisch nennen – und ich fuer meinen Teil mache mir die Argumentation nicht unbedingt zu eigen – die nachfolgenden Ueberlegungen sollen der Versuch sein, das Humane, das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft fuer Kapitalisten erfassbar zu machen.

Das ewige Streben nach Kapital, nach privatem Kapital, um genau zu sein, führt zu einer Privatisierung oeffentlichen Guts. Privatisierung ist natuerlich gewollt: ein Stueck Land abstecken, sein Haus drauf bauen, ein paar Tiere halten, Werkstatt oder Buero im Erdgeschoss – mensch gab der Gesellschaft im Optimum mehr zurueck, als er ihr wegnahm.

Das Ende der Zeit, in der ungenutzte oeffentliche Ressourcen reichlich vorhanden waren, brachte jedoch den Bedarf einer genauen Quantisierung der privatisierten Gueter.

So kann Zeit, die ein Buerger fuer Erwerbsarbeit aufbringt, nicht mehr dem gesellschaftlichen Leben, Kunst und Kultur, Politik und Sozialem gewidmet werden. Den Gewinn aus der Privatisierung der Arbeitskraft teilen sich Arbeitgeber- und nehmer in marktwirtschaftlich ausgehandeltem Verhaeltnis. Die privatisierte Zeit seiner Buerger verkauft die Gesellschaft in Form von Steuern auf das Einkommen. Diese Steuern erkaufen nun anderen Buergern, die nicht aus kapitalistischer Erwerbsarbeit leben, Gueter zurueck, die sie zum Ueberleben und zur Teilnahme an der Gesellschaft brauchen. Darueber hinaus geben diese gesellschaftsfinanzierten Buerger – als Lehrende, Kuenstler, Polizisten – der Gesellschaft Gueter wie Bildung, Kultur und Sicherheit zurueck.

Nun gibt es – neben Grund und Arbeitskraft – auch weniger offensichtlichen Besitz einer Gesellschaft. Bildung, Kultur und Sicherheit wurden bereits erwaehnt und lassen sich mit ein wenig Phantasie auch wieder als direkt kapitalistisch verwert- und privatisierbare Groessen erfassen. Unverschmutzte Umwelt wurde als gesellschaftlicher Wert verstanden, dessen Verbrauch der Gesellschaft – bespielsweise in Form von Emissionszertifikaten – zurueckerstattet werden muss.

Es gibt gesellschaftliche Werte, die nicht direkt privatisiert werden. Man denke an Leben ohne Angst. Fuer den Absatz von Waren und Dienstleistung wird dieses Gut von der Sicherheitsindustrie, der Presse und Politikern vernichtet. Als Hersteller von Alkoholika erwirbt man das Recht, Buergern den Verstand zu vernebeln, in Form von Rauschmittelabgaben. Die Gesundheit des durchschnittlichen Gesellschaftsmitglieds wird von der Nahrungs- und Genussmittelindustrie aufgezehrt. Traditionelle Tugenden wie Fleiss, Bescheidenheit, Fuersorge und den Drang, sich zu bilden, werden durch moderne Medien und Werbung entwertet.

Zeit, die nicht fuer Erwerbsarbeit verwendet wird, ist hart umkaempft: die Unterhaltungsmedienindustrie verfuehrt zum passiven individuellen Konsum von Fernsehsendungen und Computerspielen. Die zur Verfuegung stehende Aufmerksamkeit wird weiter von Werbebotschaften aufgebraucht – man denke an die Berieselung in der Kaufhalle, Spam und Banner im Internet, Werbeanrufe und Promotionteams in Fussgaengerzonen. Die Verfuegbarkeit von Aufmerksamkeit jedoch ist Wegbereiter fuer viele soziale Werte, Ablenkung verhindert somit deren Schaffung. Bildung – man denke an Kinder und Jugendliche beim gewohnheitsmaessigen Spielen in virtuellen Welten, Erziehung – nicht nur der Nachwuchs laesst sich seine Zeit stehlen und Hilfsbereitschaft – Unwissen und Ignoranz den Problemen der Naechsten gegenueber erwaechst aus der Isolation des puren Konsums – sind nur einige der Beispiele.

Ueberhaupt ist in einer Informationsgesellschaft nicht mehr die Arbeitskraft als solche, als vielmehr ein zu verteilendes Budget von Aufmerksamkeit, die man den Informationen schenken kann, das massgebliche Gut. Wir leben inzwischen in einer Aufmerksamkeitsoekonomie, in der dieses – in der Gesellschaft nur begrenzt vorhandene – Gut nicht leichtfertig privatisiert, oder indirekt als Folge der Privatisierung verschwendet werden darf. Als Ausgangspunkt fuer eine moegliche Kompensation steht ein Abschaetzung des Werts von Aufmerksamkeit an. Die genaue Menge an verbrauchter Aufmerksamkeit fuer ein Stueck veroeffentlichter Information ist wohl genauso schwer zu bestimmen, wie positive Aspekte, die beispielsweise der Medienkonsum der Gesellschaft gibt – auch Fernsehen und die Benutzung von Computern koennen Werte wie Vermittlung von Bildung und den Aufbau von Netzwerken schaffen.

2006/07/04 15:07 Dieses erlischt zu einer I Liebe

Automatische Uebersetzungen sind seit deren Aufkommen generell Quell der Freude bei humorvollen Menschen aller Art. Die eigene Ueberlegenheit ueber die Maschine wird auf den Gebieten, auf denen sie noch waehrt, genuesslich zelebriert. Taiwanesische Gebrauchsanweisungen muessen fuer den Beweis herhalten, wie sehr uns das Beherrschen des kulturellen Kontexts von Computern abhebt, deren Genauigkeit, Geschwindigkeit und Ausdauer mensch sonst nicht gewachsen ist.
Und nun hat es heute auch mich erwischt. Beim Bands hinterhergooglen fiel mir diese wunderschoene automatische Uebersetzung in die Haende, die mich darauf brachte, wie man auf niveauvolle Art Ueberlegenheit zelebrieren kann. Da keine einzige Zeile von

Dieses erlischt zur einer I Liebe
Dieses erlischt zum einem I nach links nach
Eine einfache Stütze - meine Zeit besetzen
Dieses erlischt zur einer I Liebe

dem Original aehnelt, ist es doch sicher eine Herausforderung an die sprachliche Intelligenz, aus den Uebersetzungen das Lied zu erraten. Die Uebersetzung des Beispiels findet man hier. Weitere Raetsel gibt es hier, hier und hier.

2006/01/14 18:02 10 Sekunden zappeln bei 5000bpm

Die goldene Elektrikerregel lautet: "behandle jedes Kabel so, als ob dort Strom drauf waere". Macht total Sinn! Aber der Reihe nach.
Den Kaspar werde ich ja demnaechst stolz meinen Mitbewohner nennen koennen. Eine raus aus der Wohnung, ein Neuer rein. Das Zimmer schreit foermlich nach Schaumtapete abreissen, Rohre streichen, Steckdosen neu verlegen. Ein Kabelstrang war in dem Zimmer mal nach einem Lichtbogengewitter abgebrannt und wurde von einer scheinbar sehr kompetenten Elektroklitsche durch eine ausserordentlich huebsche Ueberputzkabelkanalinstallation mit lose endender Luesterklemme ersetzt. Das alte Kabel hingegen wurde nicht entfernt, nur gekappt und im Putz versteckt haengen gelassen. Und nun ratet, wer das Kabel fand!
Komisch, was einem dabei so durch den Kopf schiesst... man denkt so "hoffentlich ist es kein Atomstrom", kann sich nicht so recht bewegen, erinnert sich an die Bundestagsplakatieraktion, fragt hoeflich den neben einem stehenden Kaspar (von der natuerlich nicht isolierten Leiter hinab) um Hilfe, ueberlegt, wieviel kW/h man da jetzt verbrauchen wuerde, zappelt noch ein wenig und kann die Kabel nicht loslassen und aergert sich, dass die Sicherung nicht einfach geht, wie kurz zuvor beim Versuch, eine Gluehlampe in eine Fassung zu schrauben.
Auf der ernsthaften Seite machte ich mir natuerlich meine Gedanken. Solche Kontrollverluste, die einen entmenschlichen, einfach nur eine ungesteuerte Huelle aus dem Koerper machen, machen mich an die aktuelle Folterdiskussion denken. Ich habe einen einen leisen Hauch von Ahnung bekommen, wie es sich als Epileptiker lebt und dann auch erlebt, wie es ist, wenn Leute sich ernsthaft Sorgen um einen machen (danke Frank).
Als Souvenir von dem Trip habe ich erstmal lecker verschmokeltes Fleisch auf zwei Fingern mitgenommen und die Erfahrung, dass undokumentierte E-Installationen mit nur zwei Phasen fuer eine Wohnung gefaehrlich sind. Doktor "Raspberry Vodka" in nur in russisch beschriftet ist ein stets griffbereiter Hausarzt. Die Gitarre kann ich, entgegen aller Befuerchtungen, noch bedienen. Mein Herz ist nicht im Laufe des Abends flimmernd stehengeblieben. Allerdings habe ich mir die Frage gestellt, ob man sich wohl nur durch die Kraft der Muskeln des Arms selbigen brechen kann. Wenn alle Muskeln gleichzeitig unkoordiniert in alle Richtungen zucken... Naja, nein Ellenbogen hat auf jeden Fall bei der Aktion gelitten, ist angeschwollen und tut jetzt weh. Zumindest weiss Kaspar jetzt, wieviel Liebe in seinem (hoffentlich) bald fertig renovierten Zimmer steckt.

2006/01/02 04:31 Vollkaskodeure

Nachdem sich Fefe in seiner unnachahmlichen Manier ueber Apple und Mac OS und vor allem das "seinen Verwandten Mac OS Ueberhelfen" elaboriert hat, wuerde ich nach einem Jahr Benutzung eines 12"-PowerBooks meine Gedanken gern festgehalten wissen.
Ich halte mich fuer aus der Kategorie "pragmatischer Nerd" kommend und pathetische Apple-Fan-Boi-Eskapaden wie die des Herrn P. aus B. an der S. liegen mir fern. Trotzdem ist nicht zu uebersehen, dass Apple verdammt viel richtig gemacht hat. Nicht, dass deren Hardware nun ausnehmend geil sei. Im Gegenteil: mein iPod versagte nach 6 Wochen den Dienst, mein PowerBook sieht nach einem Jahr Gebrauch schlimmer aus, als mein gutes altes IBM T20 nach 6 Jahren – und das bei vorsichtigerer Behandlung. Auch buntes Bonbon-Geblinke auf dem Bildschirm wuerde mir kein mildes Urteil entlocken, meine Ansprueche sieht man, wenn man weiss, dass ich nach einem halbjaehrigen gnome-Experiment meine X11-Tage mit twm zufrieden fristete – xterm, Thunderbird, Firefox, vlc und psi funktionieren auch ohne fetten Sessionmanager.
Als ich aber die Redaktion der Datenschleuder mit dem damit verbundenen Zwang, ein brauchbares Satzprogramm zu benutzen, uebernahm, blieben mir nur die Optionen, einen IBM mit Hin-und-Herbooten zwischen FreeBSD und Windows oder ein Mac OS X mit oben bunt und unten Unix zu benutzen.
In der Zwischenzeit habe ich zu Hause weiter an nem FreeBSD-Desktop gearbeitet und zum Programmieren von mobilen Endgeraeten konnte ich auf Windows nicht verzichten. Und Ja! Mac OS kommt ohne gcc – nervt, ist aber bei Debian genauso und kann man leicht nachinstallieren. Mac OS' Kernel kommt in den Releases mit Bugs, die in den entsprechenden FreeBSD-Sourcen laengst gefixt sind. Mac OS braucht unverschaemt viel Speicher fuer all den bunten blinkenden Unrat – laesst aber zumindest die Grafikkarte die rechenintensive Drecksarbeit machen. Und vieles von dem Grafik-Overkill macht auch schlicht Sinn: Dropshadows, Boldfonts an den richtigen Stellen... Mac OS nervt einen aber auch mit all den kleinen Dingen, die einem im Normalfall (Mami zu hause) vernuenftig erscheinen: Rechner zu -> suspend, Configoptions fuer Bloede, Styles im Clipboard mitkopieren, etc... und die Navigation zwischen einzelnen Fenstern mit nur Tastaturclicken ist umstaendlich.
Fefe meinte, man muesse fuer Sicherheitsugrades Geld bezahlen und warf das mit den OS-Upgrades, die halt in deutlich hoeherer Frequenz als bei M$ kommen, durcheinander: Bloedsinn. Security Updates sind umsonst und ich kenne genug Nutzer, die mit ihrem damals legal erworbenen 10.2 durchaus noch effektiv arbeiten. Sowieso raubkopieren meine Mac-Freunde um Groessenordnungen weniger und vor allem weniger selbstverstaendlich, als die Windowsler im Freundeskreis. Was auch immer das ueber sie aussagen mag.
Und wenn mich etwas an der Oberflaeche von Mac OS stoert, dann sind das so Dinge wie "man kann, wenn man ein dabei ist, ein File zu draggen, mit Expose den Finder gefunden hat, in selbigem nicht mit Apfel-CursorUp navigieren" – unter Windows kaeme ich nicht mal in die Verlegenheit, sowas ueberhaupt zu versuchen. Es ist Jammern auf hohem Niveau und ja, natuerlich kann einem das als angepisster Linux-Nutzer, der von solchen Problemen nicht einmal ahnt, schon auf die Nerven gehen, wenn Leute, die ob ihres Betriebssystems davon ausgehen, dass auf nem Computer einfach alles funktioniert, ohne, dass man viel selber dafuer tun muss, dann die selbe Erwartung an Multimedia-Material stellen, welches auf ihren Rechner faellt. Klar, Fefe hat drei Dutzend Jahre gebraucht, bis das Setup auf seinem Rechner so aussieht, dass _er_ damit leicht alle moeglichen Dinge anfangen kann, vielen Benutzern ist nicht soviel Zeit beschieden und sie wollen ihren Rechner einfach benutzen.
Und auch hier moechte ich das "stell deinem nicht-Nerd-Kumpel nen Mac ins Haus und du hoerst von ihm nie wieder"-Stereotyp bestaetigen: wenn mir irgendjemand, an dem mir was liegt, am Telefon erzaehlt, er wuerde sich nen Windowsrechner ins Haus stellen, bliebe mir aus Gewissensgruenden gar nichts weiter uebrig, als bei ihm noch, bevor er versucht, den Rechner mit seiner AOL-CD ans Netz zu tun, vorbeizuschneien, diverse Service Packs von CD einzuspielen, den IE runterzuwerfen, ihm einen Webmailaccount auf MEINEM mail-Server einzurichten, um Outlook wegwerfen zu koennen, Volker Birks OS-Vernaglungsskripte auszufuehren und ihm einzuschaerfen, dass, wenn er jemals auf nen Attachment clickt, er mich gar nicht mehr anzurufen braucht. Danach wuerde ich ihm nen Plasterouter hinstellen und hoffen, dass sich nie ein Paket auf die Windowsbox verirrt. Und wer mal versucht hat, jemanden per Telefon durch die Systemsteuerung zu lotsen, kann sich vorstellen, welche Freude es im Gegenteil ist, von Freunden zu hoeren, die sich nen Mac ins Haus stellen wollen.
Zugegeben, mit dem Schwenk auf x86er wird die volle Expertise der hacker-cracker-bauernwhacker, die auf Windowsen und Webservern zuhause sind, auf Mac OS eindreschen, mit einem hoeheren Marktanteil werden auch dort Viren, Wuermer und Konsorten heimischer weil lohnender, was mich als pragmatischen Nerd natuerlich erstmal die Bohne interessiert, bis dahin kann ich immer noch meine Telefonnummer aendern.
Und was Mac OS fuer mich bedeuetet: wenn ich Windows oder FreeBSD benutze, klopf ich (wie hier auch schonmal ausgefuehrt) wie bloede auf die F9-Taste: Expose und QuickSilver lassen alle anderen Desktopenvironments klobig wirken, wer "Apfel+," kennt, hat keinen Bock mehr, bei Windowsprogrammen nach den Options, Settings, Preferences, Internet Options, Properties... zu suchen. Das gesamte Environment wirkt aufgeraeumt und verhaelt sich wohl zu den anderen Oberflaechen wie BSD zu Linux.
Und, um Fefe nun nochmal seine "Vollkaskomentalitaet" zurueckzuwerfen: wer diese an den Tag legt, hat genau dann Recht, wenn er Vollkasko bezahlt und deren Erfuellung nicht bei mir einfordert.

2005/12/18 14:14 Spam

Kommen, sie! Kommen sie, kaufen sie! Eintrittskarten fuer die fruehste Band der Welt, die auf ihrer Welttourne in Berlin gastiert, genauer gesagt: am Montag dem 19.12.2005 in der Junction Bar in Berlin. Es gibt dutzende neuer Lieder, Freibier (fuer die Band, wenn ihr alle reichlich erscheint), lustige Raetseleinlagen und eine echt knuddelige Vorband!
Los geht es um 21ooUhr, gehopst wird, bis alle Sohlen durchsind. Ich freu mich auf euch!

2005/12/11 00:17 Filmkritik

Mit Filmverrissen lehnt man sich ja meist ziemlich weit aus dem Fenster: Man sei doch eh kein Cineast und solle doch mal jeden sein Urteil selber faellen lassen, vielleicht gefiele es ja doch wem und man muss sich seiner Meinung rechtfertigen... Die Alternative ist jedoch, dass, wenn man einen Scheissfilm gesehn hat und nicht davor warnt, gute Kumpels vielleicht Zeit und Geld verschwenden.
Nachdem allerdings telepolis ueber diesen Film schrieb: "Lücke im System" könnte ein Kultfilm der Computerszene werden, will ich doch dringend davon abraten, sich den anzutun: Der Darsteller sind lieblos bei der Sache, wer kein franzoesisch kann, wird mit einer noch liebloseren deutschen Synchronisation genervt, der Versuch, Paranoia zu schueren, wirkt dilettantisch und oberflaechlich, man will wegen der unsympathischen Charaktere nicht einmal die Poppen-unter-der-Dusche-Szenen angucken. Da in Spielfilmen die Szenen, die sich um Viren und Nerd-Toys drehen, generell eher lachhaft sind, will ich das dem Film nicht weiter anlasten, nur die Worldleader-eMail-Adressen-Liste mit georges.bush@whitehouse.gov, yarafat@p-p-o.com und johannes.rau@gov.de haben mich in die Hand beissen machen.
Gibt es etwas Gutes ueber den Film zu sagen (ausser, dass ich nur dreifuffzich in der Sneak fuer ausgegeben habe)? Ja: der Name "Hard and Soft" fuer einen Nerdshop und der anzuegliche Anrufbeantwortertext dazu war ulkig. Achja: fuer "Full Access" auf der Filmwebseite muss man nach dem Clicken auf "Full Access" das geheime Kennwort "Virus" eingeben, wenn man gefragt wird, was auf der CD war.

2005/11/26 05:42 Befreit

Ich bin ja normalerweise nicht so der ein-URL-Poster, aber das hier finde ich spannend: Laut dieser Karte von 1945 wurde mein neuer Wohnort am 25. April 1945 von der von Osten anrueckenden Roten Armee befreit. Mehr Karten von Berlin, auch Kaempfe um den Reichstag gibt es auch. Danke, Sascha.

2005/11/21 02:48 Wedekind

Oben genannter Autor hat zu erdgeist folgendes zu sagen:

Erdgeist

Greife wacker nach der Sünde;
Aus der Sünde wächst Genuß,
Ach du gleichest einem Kinde,
Dem man alles zeigen muß.

Meide nicht die ird´schen Schätze:
Wo sie liegen, nimm sie mit.
Hat die Welt doch nur Gesetze,
Daß man sie mit Füßen tritt.

Glücklich wer geschickt und heiter
über frische Gräber hopst.
Tanzend auf der Galgenleiter
Hat sich keiner noch gemopst.

(via NetZwerg)

2005/11/07 02:15 Trendsetter

Wie jeder bedeutende Teenager der etwas auf sich haelt, war ich schon frueh vom Gefuehl geplagt, alle aufkommenden Trends deutlich eher als alle anderen wahrzunehmen. Man findet eine kleine Lokalband, stellt sich als (fast) einziger ins Konzert und ein Jahr spaeter werden sie in der Bravo gefeatured. Am Ende muss man sich noch rechtfertigen, dass man doch eher Mitbegruender des Hypes war und nicht schlicht Mitlaeufer. Daneben gibt es natuerlich immer noch Acts, die klein geblieben sind und man freut sich, wenn man ein Plakat von denen sieht und traegt dann brav weiter seine 3EUR Eintritt zum Konzert, statt 15EUR bei den "shooting stars".
Mir erging es so, dass ich mich dank eines Kumpels, der schon auch fuer damalige Verhaeltnisse kauzig und nerdig war, auf einer der ersten Loveparades herumtrieb. Ich war damals 12 oder 13, meine musikalische Evolution noch nicht so weit vorangeschritten und ich fand furchtbar spannend, was dort passierte, wenn ich auch nicht allzuviel damit anfangen konnte und verzweifelt auf dem MED-Tracker meines Amigas versuchte, "irgendwie Techno" nachzumachen. Der Jugend von heute sagen natuerlich Dr. Motte und Marusha nichts mehr, als jedoch damals daraus Popkultur wurde, war mein elitaeres Bewusstsein zum ersten Mal erschuettert.
Es ging weiter mit einer kurzen, heftigen Rammstein-Phase, die Herzeleid war ein Geheimtip, heutzutage kommen Spielfilme mit komplettem Soundtrack von den Jungs raus! Die neue Amipunk-Welle, alles schon vor seiner Zeit gehoert, "1039 / Smoothed Out Slappy Hours". Letzte Wochen haben die den MTV Europa Music Award bekommen. Funny van Dannen, beim Kuscheln mit der Freundin gehoert, gleich als die "Clubsongs" rauskam. Noch bei Kuttner entdeckt, heute stehen Hosen-Fans auf den Konzerten und die Papis groehlen "Saufen, Saufen, Saufen" am Herrentag. Mit den Special Guests in der "Wabe" foermlich gekuschelt, nun machen sie schnell mal das Kesselhaus voll.
Aber jetzt! Bevor er in den Mainstream rutscht, sozusagen als Beweis, hier mit Datum und spaeter dann in web.archive.org...
An der Stelle muss ich wohl unbedingt den Einschub bringen, die Netz-Welt vergooglet in letzter Zeit so unglaublich: Statt in den Duden zu schauen, wirft nerd Googlefight an, oder laesst sich per "Did you mean:" eine Schreibweise empfehlen, statt in den Brockhaus zu schauen, informiert nerd sich in Wikipedia und statt seines Nachrichtenarchivs bemueht er/sie/es web.archive.org. Diese Beqeumlichkeit birgt seine Gefahren. Waehrend ich bei Duden vs. Googlefight eventuell das Argument durchgehen liesse, dass auch der Duden nur ein Spiegel der Sprache sein soll und ein Grossteil der geschriebenen Sprache inzwischen im Netz indiziert ist (meine Praeferenz waere trotzdem der gedruckte Duden), hat man beim Nachschlagewerk und beim Nachrichtenarchiv ploetzlich das 1984-Problem. Die Informationen bezieht man bequem aus einer oder mehreren Quellen, die nicht unter der eigenen Kontrolle stehen, deren Verfuegbarkeit nicht immer gewaehrleistet ist und welche morgen nicht unbedingt genauso aussehen muessen wie heute.
Andererseits ist auch der heutzutage gerichtszugelassene, notariell beglaubigte Ausdruck einer Webseite nicht das, was den Durchschnittsparanoiker beruhigt, solange er nicht im eigenen Papierstapel steckt... aber ich schweife schon wieder ab.
Also: bevor er in den Mainstream rutscht, wollte ich hier niederlegen, dass mir Filmmusik von Danny Elfmann gewahr ist, dass ich seine Art sehr mag, rasante komplexe orchestrale Stuecke zu duester/gothischen Tim Burton-Filmen (BeetleJuice, Edward mit den Scherenhaenden), zu knallbunten/chaotischen Filmen wie Charly und die Schokoladenfabrik, Man in Black und, nicht zu vergessen, den Simpsons zu schreiben. Wie ich jetzt darauf komme? Ich war gestern Corpse Bride gucken. Ziemlich kurz. Ziemlich kurzweilig. Netter Kinderfilm, coole Optik. Nur keine 8 EUR Wert. Der Score von Danny Elfmann, was mich zumindest beim Verlassen des Kino noch immer froehlich stimmte.
Und natuerlich hat er auch Spuren in meiner Musiksozialisation hinterlassen, noch bevor ich ihn bewusst wahrgenommen hab. Deutlich von ihm beeinflusst ist Catch that goblin von Skaven/Futurecrew oder hier die Version fuer Leser mit weniger fortgeschrittenen Abspielprogrammen. Skaven hat erst neulich noch einen Nachfolger geschrieben, hat auch was, aber ist viel poppiger. Und gibt er auch offen zu, wo er es geklaut hat. Hab ich nach der assembly 1995 auf diversen Compos auf allen moeglichen Demoparties gewinnen hoeren.
Fuer die werte Leserschaft besteht nun die Moeglichkeit, eine "shooting star"-Band gekannt zu haben, bevor sie gross werden. Der Name ist Pumpanickle und sie spielen am 19. 12. 2005 in der Junction Bar in Berlin. Grossartige Musik! ;)
P.S.: Bei der Linkrecherche fuer die Eintraege kommen immer wieder wirklich wirklich abstruse Seiten zusammen, die zwar nicht zum Thema passen, ich trotzdem nicht vorenthalten moechte.

2005/11/01 04:23 Grundsatz

Ich entsinne mich an der Stelle mal des Grunds, weshalb ich dieses Blog ueberhaupt angefangen hab: es ist fuer mich. Ich wollte spaeter darauf schauen und nachvollziehen, wieso ich welche Entscheidung in meinem Leben getroffen habe. Ein Fotoalbum in meinem Kopf, und wenn es farbig genug ist, bei den Lesern Bilder hervorzurufen, die sie nicht gesehen haben, sollte es fuer mich in 40 Jahren auch noch reichen.
Nun gut. Ich habe das Blog vernachlaessigt. Wenn ich ehrlich bin, schon seit einem halben Jahr. Ich habe ab und zu Dinge geschrieben, bei denen es sich nicht vermeiden liess, sie zu bloggen. Aber eigentlich nichts, was ich nicht spaeter auch googlen koennte. Und gerade kulminiert so ein Stapel Dinge, die mich treiben.
Ich mag es nicht, das Gefuehl zu haben, von den Dingen einfach nur getrieben zu werden. Ich bin in eine neue WG gezogen und man kann es so sehen, dass ich etwas Neues ausprobieren wollte (stimmt), dass ich Lust hatte, mal in einer WG zu wohnen, in der man mehr als nur nebeneinander lebt (stimmt auch und kommt der Sache schon naeher). Man kann es aber auch so sehen, dass mir die zunehmend ungemaechliche Zusammenwohnsituation in meiner alten Wohnung am Ende nichts weiter uebrig liess, als das Experiment zu beenden.
Ein guter Freund hat mich gefragt, warum ich denn als Hauptmieter nicht einfach meinen Untermieter hinausgeworfen hab. Gute Frage eigentlich. Erst war ich verstoert, dass er meine Beweggruende nicht nachvollziehen kann. Dann war ich verstoert, dass ich es auch nicht kann. Es gab wohl einfach mehr Gruende zu fliehen, als zu bleiben.
Heute habe ich meine Wohnung uebergeben. Besser gesagt habe ich meinen Hausmeister im Zustand ueberrumpelt, in dem er zu betrunken war, noch ernsthaft Kritik am Zustand der Wohnung zu ueben, aber gerade noch nuechtern genug, um zu begreifen, was ich von ihm wollte. Beim Stromern durch die Zimmer sind Tretminen der Erinnerung losgegangen, wie sie auch in der ganzen Stadt verstreut sind. Nicht die, die einem sowieso kommen: erste eigene Wohnung, erste Zimmermannserfahrungen, Parties, erster Damenbesuch und sowas.
Ich mag noch ein wenig um den heissen Brei herumschreiben. Vor allem will ich wenigstens versuchen, die letzten Monate zu begreifen. Ich hab einen Urlaub mit Cryx selbstgebaut und wurde doch in drei Reisen geschubst (es gibt sogar Bilder.). Ich wurde von grossartigen Bandkumpels durch die abgefahrensten Erlebnisse manoevriert. Ich bin von einem coolen Chef in eine fantastische Firma gelockt worden. Ich bin zum Chefredakteur in einer Zeitschrift avanciert, weil ich mit einem in Wuerde (fast) erwachsen gewordenen (und hier gehen mir ploetzlich die Adjektive aus) Kumpel zum richtigen Moment am Fruehstueckstisch sass. Ich bin in eine Wohlfuehl-WG gestolpert, weil durch Zufall die richtigen Leute Single geworden sind. Ich bin Chefadmin in meinem bereits beschriebenen "Gute-Freunde-Server-Projekt" geworden, weil alle anderen keine Lust hatten, sich naeher damit zu beschaeftigen und ich das in den richtigen (oder falschen) zwei Wochen mal spannend fand.
Es ist Bloedsinn, dass es Momente sind, die das Leben veraendern. "Momente" sind Katalysatoren, sie stehen am Ende oder Anfang einer Entwicklung. Wie man mit den Ereignissen umgeht, ist, was das Leben ausmacht. Nein eher, was einen Menschen ausmacht. Und wenn ich mich einfach treiben lasse, dann koennen tolle Dinge passieren. Man tut aber nie die richtigen Dinge, um sie passieren zu lassen. Im Gegenteil. Da ich nie (oder zu selten) dafuer gekaempft habe, sie zu bewahren, konvergiert das Leben im Zustand groesstmoeglicher Entropie. In seinem Leben das zweite Gesetz der Thermodynamik bestaetigen zu wollen, ist nicht erfuellend.
Ich habe, in aktiver und passiver Position, erlebt, dass Menschen jemanden brauchen, der sie bei der Hand nimmt, ihre eigenen Traeume wahrzumachen. Man funktioniert also selber, mit einer gewissen Selbstsicherheit, als Katalysator. In besagter Zeitschrift genuegte zu sagen "man macht jetzt mal" und alle Mitstreiter taten mehr als 200% dessen, was eigentlich noetig gewesen waere.
Eines der Dinge, die mich haben nachdenken lassen, war, dass ich zum ersten Mal seit 15 Jahren meinen Schluessel zu hause hab liegen lassen. Ich bin nicht sonderlich ordentlich, verplane gerne Termine, nehme alle sich bietenden Fettnaepfchen mit... aber habe eine ausgewachsene Neurose meinen Schluessel betreffend. Wenn er sich nicht direkt an meinem Koerper befindet, heisst es, dass ich keine Hose anhabe. Gestern nun, zum denkbar unguenstigsten Termin (Wohnungsuebergabe, vorher noch malern, all das), fuehlt sich die Schluesseltasche einen Tick zu leicht an. Und alle Mitbewohner sind nicht erreichbar. Wenn es fuer mich ein Zeichen gibt, dass mein Leben gerade desynchronisiert ist, dann das.
Und heute abend gab mir dann ein Film den Rest. Mich liess das Gefuehl nicht los, jemand haette mein Leben verfilmen wollen und sich nur im Ende geirrt. Dort gab es naemlich ein happy end. Und nun habe ich endlich das Sprungbrett zu schreiben, was mich wirklich mitnimmt: Der Held im Film bekommt, trotz seiner Bloedheit, die wundervolle Rothaarige zurueck. Der Schreiber dieser Zeilen nicht.
Ich hab lange ueberlegt, wie ich es am wenigsten weinerlich klingend erzaehlen kann. Man nehme all die Zeilen diesen Eintrags und fuege sich sein Bild zusammen. Ich habe die Beziehung verspielt. Ja, diese eine. Die, die einen wohl noch 10 Jahre spaeter mit dem Kopf gegen die Wand schlagen laesst. Auf die selbe Art und Weise wie im Film. Einer kurzlebigen, langweiligen Oberflaechlichkeit geopfert. Auf der Jagd nach sich nie erfuellenden Versprechen, einer angeblichen Schoenheit.
Genug Stoff, einen aus der Bahn zu schubsen, genug Grund um zu fliehen vor den Erinnerungen und dem Hass auf sich selbst, der so beisst, dass er weh tut. Vielleicht eine Erklaerung fuer die Leere der letzten Monate. Ganz sicher jedoch ein dringender Anlass zu Reflexion und dem festen Vorsatz, sich meines Lebens wieder aktiv anzunehmen und nicht mehr nur der Dinge zu harren.
Stay tuned.

2005/10/17 06:21 Nerd Fame

Endlich habe ich es geschafft, meine Fussstapfen in meinem Lieblings-OS zu hinterlassen: ein eigener FreeBSD-Port. Und nicht nur ein Port irgendeines Programms, nein, in /usr/ports/sysutils/ezjail gibt es jetzt ein Script-Set, welches ich aus den Erfahrungen von damals gebaut habe. Mit einer ansprechenden Projektseite und den ersten Verlinkungen aus obskuren japanischen Blogs. Nun muss ich meine Projektseite schnell fertig hacken, bevor der grosse Nerdansturm clickt ;)
UPDATE: Der Japaner fand wohl weniger das Projekt spannend, als meine License, er schreibt von "ezjail als seltene Beerware"... naja, wenigstens etwas

2005/08/09 16:50 Rekreation

Es wird ein heisser Sommer werden. Neben dem Serverumzug und meinem Umzug nach Prenzlauer Berg (Ja!, ich kehre dem Friedrichshain den Ruecken), werde ich noch ein wenig Waldbrandgucken fahren. Los gehts direkt nach dem Gig in der C-Base fruehs um 6 von Schoenefeld. Ich melde mich, wenn die Gefahr vorrueber ist.

2005/08/05 03:03 KnastHorst

Auf meinem gute-Freunde-Shell-Server, auf dem auch diese edle Seite liegt, hatte ich bisher ein FreeBSD4.(5-11) installiert. In diesem wurden 14 sogenannte Jails gefahren. Das ist der FreeBSD-Ansatz, chroot soweit zu treiben, damit in virtuellen FreeBSD-Systemen root-Rechte vergeben zu koennen, ohne damit die Integritaet des Hostsystems zu beeintraechtigen.
Einige jails werden als shared service von $kumpel und mir betrieben, so ein mail-, ein www- und ein nameserver, andere in die Hand von Freunden gedrueckt. Da der Server wegen .. sagen wir, Rechenschwaechen .. des derzeitigen Hosters dort nicht mehr stehen bleiben kann und somit ein Umzug auf andere Hardware notwendig wird, werde ich die Gelegenheit nutzen, auf ein FreeBSD5 oder 6 zu wechseln.
Das bringt mehrere Vorteile mit sich: a) sind nuetzliche Tools zur Jailverwaltung, naemlich jls und jexec und 'kill -j' hinzugekommen, b) hat es das script /etc/rc.d/jail und macht jails laufen lassen zum Spass und c) sind da viele nette Features im Kernel, wie z.B. KSE, die das OS snappier[tm] machen sollten.
Bisher musste ich alle jails muehsam von einem selbstgehackten Scripteset kontrollieren lassen. Um nicht fuer jedes jail ein komplettes Betriebssystem auf der Platte herumliegen zu haben (kostet viel Platz), wird die Welt aufgeteilt in ein zentral gewartetes basejail (/bin /sbin /usr/bin /usr/include /usr/lib /usr/libexec /usr/sbin /usr/src /usr/share /usr/ports /usr/src) und die zweite, vom User anpassbare Haelfte, das "newjail" (kostet wenig Platz, um die 8MB). Ersteres wird nun readonly in jedes Jail (nach /usr/jails/*/basejail) gemounted. Softlinks lassen dann z.B. /usr/bin nach /basejail/usr/bin zeigen. (man jail zeigt die Schritte, die man braucht, sich ein basejail zu basteln, ein lokales cvs-repository hilft). Soweit, so gut.
Nun gab es dieses kleine Problem: fuer das simple loopback-Mounten eines Verzeichnisses hat sich FreeBSD mount_nullfs ausgedacht. Doch ein kleiner Blick in die man-page macht einem den Mut, den man braucht, seinen Mailserver darauf aufzubauen: "THIS FILE SYSTEM TYPE IS NOT YET FULLY SUPPORTED (READ: IT DOESN'T WORK) AND USING IT MAY, IN FACT, DESTROY DATA ON YOUR SYSTEM. USE AT YOUR OWN RISK. BEWARE OF DOG. SLIPPERY WHEN WET." Meine ersten Versuche vor ein paar Jahren ergaben genau dies: crashes und komische Effekte im Filesystem. Spaetere Experimente von Freunden erbrachten zwar keine Crashes mehr, dafuer aber ploetzliche hohe CPU-Load. Aus diesem Grund werkelt nun zur Zeit auf dem Server noch ein nfs-server, der fuer localhost das basejail exportiert und lauter mount_nfs, die es wieder mounten. (Dazu muss man erstmal portmap patchen) Mit so einem Setup kann man nicht prahlen gehen :(
Neulich entdeckte ich jedoch die Todoliste fuer die 6.0er Release, in der angedeutet wird, dass "Nullfs (and perhaps other filesystems) use an absurdly small hash size that causes significant performance penalties." Der Source (/usr/src/sys/fs/nullfs/null_subr.c) verriet mir auch #define NNULLNODECACHE 16. Also, wenn die zu kleinen Hashs deren einziges Problem sind... Ich habe aus der 16 eine 65536 gemacht, neuen Kernel gebaut und habe nun das basejail endlich per nullfs gemounted. (Zur Zeit laufen 12 Jails auf einer Testinstallation, die dann auf den neuen Server uebernommen wird.)
Die Features des jail-scripts aus der /etc/rc.d sind zwar grossartig, aber echt unglaublich wirklich voll total mies dokumentiert. Die jails, die das System starten soll, traegt man space-separiert in der /etc/rc.conf in jail_list="JAILNAME1 JAILNAME2..." ein. Dann macht man noch jail_enable="YES" an und beim Startup werden alle jails hochgefahren. Die Parameter dafuer traegt man in Variablen wie zum Beispiel jail_JAILNAME_ip="10.1.1.200" ein (nicht vergessen, der Netzwerkkarte auch die aliase fuer alle IPs zu geben). Punkte sind in den Variablen ungern gesehn, bei mir heisst das dann immer erdgeist_org, also spaeter auch jail_erdgeist_org_option_enable="YES".
Dann ist cool, dass jedes jail eine eigene fstab mitbekommt. Wer jail_JAILNAME_mount_enable="YES" anhat, kann beim jail Starten /etc/fstab.JAILNAME mounten lassen. Bei mir steht da naetuerlich "/usr/jails/basejail /usr/jails/JAILNAME/basejail nullfs ro 0 0". Fertig ist der Lack. Wer jail_JAILNAME_devfs_enable="YES" (immer gern genommen mit jail_JAILNAME_devfs_ruleset="devfsrules_jail", wegen der Sicherheit, wissenschon) anhat, findet auch gleich ein /dev im jail gemounted vor, aehnlich verhaelt es sich mit jail_JAILNAME_procfs_enable="YES" und jail_JAILNAME_fdescfs_enable="YES".
Das Verwalten der jails ist nun simpel, eigentlich haette das gleich vom rc.d-script mit erledigt werden koennen: Man legt sich ein /etc/jails/ oder so an, in das man die config-Bloecke fuer jeweils ein jail zusammenfasst, also z.B. /etc/jails/erdgeist_org und schreibt in seine /etc/rc.conf jail_list=`ls /etc/jails/`, und included danach . /etc/jails/*.
Beim Erzeugen eines neuen jails kopiert man aus dem "newjail" mittels mkdir /usr/jails/$JAILNAME && cd /usr/jails/newjail && find * | cpio -p -d -v /usr/jails/JAILNAME das Skelett. /etc/resolv.conf, /etc/rc.conf, /etc/passwd und /home/admin/.ssh/authorized_keys im newail gleich zu bevoelkern macht sich auch immer gut, sonst vergisst man das. (Auch wichtig fuer den sshd: nicht vergessen, dass man im Hostsystem alle Services nur auf die IP des Hostsystems binden lassen sollte, sonst kann man das im Jail nicht mehr.) Danach erzeugt man (beispielsweise aus einer template-config) das File, was nach /etc/jails/JAILNAME soll. Ausserdem legt man die /etc/fstab.JAILNAME an. Done.
Da wir /usr/ports mit dem basejail readonly gemounted haben (dadurch reicht es, einmal jede Nacht ein cvsup auf die ports im Hostsystem zu machen), muessen wir den jails sagen, dass sie die ports nicht in /usr/ports/X/Y/work sondern irgendwo anders bauen sollen, wo man schreiben darf, die distfiles koennen natuerlich auch nicht nach /usr/ports/distfiles. Das macht man in der /etc/make.conf. Bei mir steht da WRKDIRPREFIX=/var/ports und DISTDIR=/var/ports/distfiles. Das schreibt man am besten gleich ins newjail.
Diese Vorgehensweise steht eigentlich auch dem Hostsystem gut. Man kann naemlich spielen alle work-directories und distfiles an einem zentralen Punkt loeschen: rm -rf /var/ports/* statt rekursivem make distclean oder rm -rf */*/work/ in /usr/ports. Eigentlich koennte man die distfiles zwischen den jails noch in einem unionfs teilen, aber erstens liest sich die Doku zu mount_unionfs NOCH entmutigender, als die von mount_nullfs und zweitens muesste fuer den Fall, dass korrupte distfiles rumliegen, immer ein hostsystem-Admin putzen kommen.
Nun zum wirklich Betrieb der jails: Einzelne jails kann man mit sudo sh /etc/rc.d/jail start JAILNAME anstossen, die jail_list wird genommen, wenn man keinen jail-Namen angibt. Alle laufenden jails, inklusive ihrer jail-id kann man sich mit jls angucken. Nachtraeglich tasks an ein jail haengen geht mit sudo jexec jail-id cmd, wobei man da meist /bin/csh nimmt. Mit sudo jexec jail-id ps auxw kann man sich dann die laufenden Programme im jail angucken. Beim Traversieren der jail-Verzeichnisse (bei mir in /usr/jails) aus dem Hostsystem sollte man DRINGEND auf softlinks aufpassen. Gerne verpeilt werden /usr/jails/JAILNAME/home -> /usr/home, was einem Aerger mit den Homeverzeichnissen im Hostsystem einbringen kann und natuerlich /usr/jails/JAILNAME/usr/bin -> /basejail/usr/bin. Jail anhalten geht mit sudo sh /etc/rc.d/jail stop JAILNAME.
Zu guter letzt noch ein paar Fallstricke: im jail geht ping nicht. Das liegt daran, dass man keine raw sockets aufmachen darf, da man in diese natuerlich jede IP als Source IP eintragen koennte und damit das Sicherheitskonzept der jails umginge. ping ist aber sehr nuetzlich. Das script /usr/local/bin/jailping bestehend aus finger $*@HOSTSYSTEM gepaart mit einem fingerd, der read input; (ping ${input%^M} 2>&1) fuer Verbindungen aus den jails erlaubt, schafft Abhilfe. Am besten noch alias ping='/usr/local/bin/jailping'. Done.
Hostname im jail aendern verbieten mit jail_set_hostname_allow="NO" in der /etc/rc.conf. Ein Sicherheitsfeature, was gern abgeschaltet wird (auch in meinem jail-Server, wegen der Datenbanken, die es brauchen), ist sysvipc. jail_sysvipc_allow und postgresql geht.

2005/07/22 18:48 Unparteiisch

Ich selber bin kein Mitglied einer Partei, aber dachte schon immer darueber nach, was denn die Parteien ausser Bargeld im schwarzen Koffer und Wahlkampfkostenrueckerstattung so einnehmen. Fuer die groesseren Parteien hier nun die Mitgliedbeitraege, die ein Durchschnittsverdiener (1000EUR Netto im Monat) monatlich mindestens zu berappen hat. Ich persoenlich kenne viele, die freiwillig mehr bezahlen, andererseits haben viele Parteien auch Sozialregelungen. Dies sollte sich im Mittel aber ausgleichen.
Partei/QuelleMindestbetrag
SPD8 EUR
CDU5 EUR
CSU4,16 EUR
FDP8 EUR
PDS20,60 EUR
B90/Gruene10 EUR
DVU3 EUR
APPD1 EUR
NPDwahrscheinlich 6,50 EUR (3,50 EUR - 10,50 EUR)
PBC4,16 EUR
REP6 EUR
PASS2,50 EUR
Die Partei0,83 EUR
Bayernpartei3 EUR
SPASSPARTEI0,00083 EUR
STATT5 EUR
Tierschutzpartei2,66 EUR
Die Violetten3 EUR

2005/07/08 14:19 One more thing

Als der Cryx verzweifelt versuchte, alle "mal Kaffee trinken gehen"-Zusagen in seinem iCal unterzubringen, zusammen mit Arbeit, Veranstaltungen und Urlaub, kam mir _DIE_ grandiose Idee, wie Apple das Produkt massgeblich verbessern koennte: iCalShuffle. Ueber die genaue Implementation will ich hier nicht zuviele Worte verlieren, macht viel zu viel Spass, sich das selber auszudenken.

2005/06/13 14:55 Feiervolk

Gestern gab es statt Probe Musik anhoeren. Die Band von Susi hat das erste Mal live gespielt. Klassische Besetzung plus Geige und Bratsche. Interessante musikalische Basis (allesamt Musikstudenten), leider nur 3 eigene Songs zum Eindruck gewinnen.
Danach mit Ern und Freunden auf ein Volksfest. Bergmannstrassenfest. Auf Strassenfesten habe ich ja selber als Promotionhampel fuer das Berliner Abendblatt meine erste Miete verdient und stand da auch jedes Wochenende auf einem der sehr individuellen Feste herum.
Anfangs wurden diese von engagierten Kiezbewohnern organisiert, die ein wenig das Kennenlernen in ihrer Strasse vorantreiben wollten. Ich kann mich noch gut erinnern, wie 1995 auf dem Muellerstrassenfest der Besitzer der Brautmoden selber einen Bratwurststand betrieben und am Ende eigentlich alle Wuerste verschenkt hat.
Mit Volksfesten, eine Binsenweisheit, laesst sich aber Geld verdienen. Viel Geld. Man holt sich eine Strassensondernutzungserlaubnis beim Ordnungsamt, karrt eins, zwei Buehnen heran und vermietet die Strasse in Parzellen an fliegende Mampf-, Ramsch-, Blumen- und Ethnolaeden, laesst ein paar schlechter positionierte Buden fuer Amnesty International, Kinderschminken und die Lokalgazetten frei (damit die im Gegenzug laenglich dafuer werben) und fertig ist der Lack. Danach wird das Volk durch die den Konsumtunnel gepfercht, darf sein Geld links und rechts der Strasse lassen und sich freuen, was sein Kiez nicht alles auf die Beine stellt.
Mit diesem Konzept verdienen in Berlin unter anderem die Firmen Nareyka und Laubinger ihr Geld. An den 25 strassenfesttauglichen Wochenenden finden laut Bericht des Senats fuer Wirtschaft, Arbeit und Frauen in diesem Jahr 12 Feste von Nareyka und 10 von Laubinger statt. (Dazu kommen Weihnachtsmaerkte und Grossveranstaltungen wie die Loveparade.) Tendenz steigend.
Dankenswerterweise gibt es aber noch Organisatoren, die den Brand ihres Fests nicht so einfach abgeben, sondern weiter selbst organisieren, so dass die ueblichen Verdaechtigen Mampf-, Ramsch-, Blumen- und Ethnolaeden nicht immer mit den selben Verhandlungspartnern an den Tisch muessen, sondern ihre Bude bei den Kiezlern bezahlen. Das Kuchenbasar und Papa-grillt-selber Feeling kommt trotzdem nicht mehr. Das durfte ich naemlich genau bei dem Sommerhoffest dort erleben, wo Susis Band ihren Probenraum hat: das ganze Haus kramt all sein Zeug hervor, stellt selber ein Buehne auf. Resultat: Grillen und Kuchen, zwei Bierfaesser und mehrere nette Plaeusche. Mehr davon!
Gut. Ganz in Nostalgie zu versinken, macht natuerlich keinen Sinn, frueher sind die fahrenden Jahrmaerkte einmal im Jahr mit ihren Attraktionen und Mampf-, Ramsch- und Fahrgeschaeften in die Stadt gekommen und haben den Staedtern und Doerflern die Kohle aus der Tasche gezogen. Aber es tut schon immer wieder ein wenig in der Seele weh, wenn private Aktionen kommerzialisiert werden.
Eins habe ich aber beim in der Bergmannstrasse noch mitgenommen: Zuckerwatte. Das habe ich schon seit 15 Jahren nicht mehr genascht und da musste ich einfach zuschlagen. Und Zuckerwatte in der Wikipedia weiss ich jetzt auch, wie das eigentlich funktioniert.

2005/06/11 21:43 Kulturflatrate - Haben wir doch schon

Ich hatte heute auf dem Projekt-P die Freude, einer Diskussion ueber Filesharing beizuwohnen. Ich habe mich wirklich aufgeregt. Frank wohl auch. Nerds projezieren ihre tumbe Welt- und naive Gerechtigkeitssicht auf die Musikindustrie "jeder wuerde doch natuerlich freiwillig bei Konsum eines Kunstwerks dem Kuenstler Geld zukommen lassen, das Problem ist nur, dass es nicht geht". Die freiwillige Mitarbeit an freier Software wird zur Verpflichtung an alle ausgelegt, den selben Altruismus an den Tag zu legen.
Dass die Schranke der Privatkopie eine Anerkennung der Tatsache ist, dass eh alle kopieren und man im Ausgleich auf Kopiermedien Gebuehren erhebt, wird immer wieder unzutreffend in "das Gesetz gibt jedem das Recht, Kopien zu erstellen" umgedeutet. Wenn man halt nicht kopieren kann, weil der Hersteller das auf technischem Wege verhindert, fuehrt das auch dazu, dass man kein Kopiermedium einsaut. Passt irgendwie schon. Man muss die CD ja nicht kaufen.
Meines Erachtens geht es Kuenstlern zur Zeit so gut, wie nie in der Geschichte zuvor. Brotlose Kunst bedeutete ueber Jahrhunderte genau das: man ist im Zweifel verhungert. Heute sind Musiker auf der einen (zugegeben zahlenmaessig verschwindend geringen, aufmerksamkeitsoekonomisch aber sehr viel Raum einnehmenden) Seite Weltstars mit unverschaemten Einkommen.
Wenn die das in der Marktwirtschaft so hinbekommen, ist das total legitim. Die verkaufen aber nicht ihre Songs. Die verkaufen ein mehr oder minder muehsam konstruiertes Image, was unter anderem beim Musikverkaufen hilft. Wer andere Leute dazu bringt, ihm freiwillig rauhe Menge Kohle in den Rachen zu werfen, hat es verdient. So funktioniert das mit der Werbung. Und wenn man keine Songs als Daten mehr verkaufen kann, aber trotzdem stinkend reich bleiben will, muss man sich halt etwas anderes einfallen lassen. Die Gesellschaft kann nicht dazu da sein, den dekadenten Status quo zu erhalten.
Auf der anderen Seite leistet sich unsere Gesellschaft laengst eine Kulturflatrate. Wir leisten uns, dass niemand verhungern muss, der kein Nuetzling in marktwirtschaftlicher Sicht ist. Man kann gut und gerne 10 Jahre lang an seine Mal-, Gesangs-, Bildhauer-, oder sonstigen kulturellen Skills arbeiten, kostenlos lernen bis der Arzt kommt (OT: was gerne uebersehen wird: man kann auch ohne Studiengebuehren an der Uni etwas lernen, man bekommt halt nur keinen Abschluss dafuer) und wird trotzdem gefuettert. Wenn man im Kapitalismus nicht mitspielen moechte, hat man daher gerade die Moeglichkeit dazu, wenn man es jedoch will, muss man halt die Spielregeln befolgen und etwas "Nuetzliches" tun.
Ein Weg, mit dem Problem "Bezahlen von Musikern" umzugehen, koennte sein, dass man zum Dienstleistungsgedanken zurueckkehrt: solange es keine Neurorecordings gibt, ist ein Livekonzert mit vielen gleichtickenden Leuten um einen herum um Groessenordnungen geiler, als der Konsum im Zimmerchen auf Anlage, allein. Songs auf Platte oder im Netz koennten/sollten Werbung fuer die kostenpflichtige Teilnahme am Konzert sein. Oder Werbung fuer die Marke Kuenstler, der sich dann in Waschmittelspots Schmerzensgeld fuer die Entwuerdigungen verdienen kann, oder anderen Leuten fuer Geld die Erlaubnis gibt, Flauschpueppchen oder Poster mit seinem Conterfait zu verticken.
Natuerlich funktioniert das fuer unansehnliche, ausgewiesene Studiomusiker nicht, die einzig ueber den Verkauf der Verwertungsrechte fuer die Stuecke an sich angewiesen sind. Um aber auf die geschichtlichen Parallelen zurueckzukommen: dann muss man sich halt einen Maezen suchen, oder wie es Funny van Dannen so treffend ausdrueckte: "es muessen ja nicht alle gluecklich sein".

2005/05/28 22:58 Was angerichtet

Oh backe, ich habe bei ein wenig Vanity-googling entdeckt, dass sich geflissentlich ueber grossartigen deutschen Lesestoff informieren wollende Schueler von meiner zynischen Tagesdosis Erschriebenem zudroehnen lassen muessen..
Mal schaun, ob ich da mit einem gezielten Link zu Erdgeist wieder was gut machen kann.
Heute bei geilem Wetter im Volkspark gehockt und ein wenig Seelen-Sonnen-Therapie probiert. Mal morgen mal sehen, obs was geworden ist.
Eben noch mit Cryx und Tina dekadent beim Mexikaner getafelt, wo ich schmerzlich meine EC-Karte vermisste, zum Glueck nur in der alten Hose verpeilt.

2005/05/28 03:52 Ablenkung

Zeit fuer sich und zum Nachdenken zu haben, bringt fuer mich zur Zeit eher Aerger und Truebsal mit sich. Um dem zu entgehen, muessen um mich herum einfach gerade viele Dinge passieren. Arbeit ist herausfordernd und spannend, die Band floriert, ich seh Leute, die ich schon eine echte Weile nicht mehr gesehn hab, tue Dinge, die ich mir schon immer mal vorgenommen habe, morgen gehts zum Beispiel zu Opa, Keller ausraeumen, heute war ich noch im Club Mariokarten, wieder Arbeiten, dann mal wieder SPIEGEL-lesend mit der S-Bahn durch die Stadt, und danach wild Rollern durch die Stadt, um bei den Phenoeliten auf der ph-neutral in der C-Base Bierchen mit netten Leuten zu schluerfen.
Eben gabs nochmal Signale und Heimkino.
Trotzdem zu viel Zeit ohne Ablenkung :(

2005/05/27 20:02 Offizieller Sommer

Ich hab ja nun schon foermlich darauf gewartet, wann denn mal der Stoff ausgeht und ich uebers Wetter bloggen muss. Hier ist es nun also: es ist Sommer: man kann nachts ohne frieren mit kurzer Hose Moped fahren, man muss sich extra zwingen, seinen Mitmenschen in die _Augen_ zu gucken und Fruehstuecken in der Knalllesonne erinnert an die schoensten Urlaube. Hier sei mal das 3-Euro Fruehstueck-Brunch-Abendbrot-Angebot in der Boese Buben Bar in der Marienstrasse lobend erwaehnt. Sonnengarantie dank Suedseite.
Und vollends Seele baumeln lassen geht mit sonem Eis auf einem gemuetlichen Balkon.
In der dazugehoerigen Wohnung lernte ich dann auch den folgenden Fakt fuer das Notizblog: wenn jemand einen T-Online-Account auf einem nicht-Telekom-Router einstellen moechte, geht das so: man nehme alle Zahlen, die auf dem Username/Passwort-Zettel von der Telekom stehen (ausser das Passwort natuerlich), haenge sie (von oben nach unten) aneinander, haenge ein @t-online.de dran und los gehts. (Im Idealfalle sollte dies die Zugangskennung, die T-Online-Nutzerkennung und die Mehrere-Benutzer-ID, normal 0001, sein). Weil ichs nicht aufgeschrieben hab, und natuerlich vor dem Netz einrichten auch kein Netz, musste ich dann mal ne Bluetoothverbindung bemuehen und ueber 9600 (gute Alte Zeit) googlen.

2005/05/27 14:37 Beobachtungen

Ich hab mir, wie bereits berichtet, den neuen Communicator er-ebay-t. Vorab, bei aller Kritik, die man als Nerd natuerlich auch immer am fast Perfekten hat: ein cooles Geraet! Endlich GPRS und Bluetooth, ein Prozessor mit zeitgemaessem Takt - habe ich ja alles schon mal geschrieben. Was ich nicht gedacht haette, dass ich ernstlich Gefallen an der Kamera finden wuerde. Nicht, dass ich mich jetzt zu MMS-Spielchen hinreissen lassen wuerde, wo es doch Bluetooth gibt, aber so als "nette Location, mal fuer ein Shooting festhalten"-Moeglichkeit, die man immer mit sich rumtraegt, ist es schon nuetzlich. Ausserdem entsteht daraus ja auch gerade eine Kunstform. Ich hab da mal noch zwei Bilder fuer die Galerie.
Einige Wermutstropfen hab ich beim 9500 aber doch entdecken muessen: erstens kann man keine WLan-Netzwerknamen explizit angeben und kann deswegen nicht in hidden networks assoziieren, Helden! Zudem hoert man beim mitgelieferten Headset nicht, wenn das Telefon klingelt. Und das, wo ich mich gefreut hatte, endlich auch auf dem Moped erreichbar zu sein. Wo es doch keinen Vibrationsalarm gibt... Menno! Aber eigentlich ueberwiegen die geilen Features. Dank Bluetooth kann ich jetzt (mit ein wenig Hilfe von denen hier) auch mit dem Notebook einfach so™ syncen, SMSen schicken, bekomme Anrufe gross aufs Display... - mein erstes Bluetoothgeraet halt. Das Display ist stateoftheart, geht in der Sonne und sieht im Dunkeln gestochen scharf aus, der Lautsprecher ist pumpanickle-songs-tauglich, d.h. er hat sogar ein paar Baesse und die 1GB Speicherkarte laedt zum mp3-Sammlung mitnehmen ein. Ich werde noch ein wenig in meiner Kohorte mit dem Geraet posen, vielleicht habe ich dann ja bald genug Leute zum Communicator-WareZ traden. ;)

2005/05/26 17:00 Signale

Ein Gebiet der Informatik, um das ich mich bisher rumgeschlaengelt habe, ist Signalverarbeitung. Ich hatte eine naive Vorstellung davon, wie das mit dem Sampeln so funktioniert, hab grob an den Knoepfchen von Softwareequaliziern herumgespielt und beobachtet, was passiert. Aber in der Vorlesung Grundlagen der Signalverarbeitung an der Uni hatte ich mich mit einer vier durchgemogelt, weil ich wohl spannendere Dinge zu tun hatte. Was ich eigentlich schade fand, weil Prof. Meffert eine angenehme Art hat, Dinge zu erklaeren.
Da mich das Thema aber eigentlich doch interessiert, habe ich mir ihr Buch geshoppt und ehrlich und ernsthaftig versucht, den Inhalt zu verstehen. Leider ist das ohne die begleitende Vorlesung gar nicht so leicht. Gluecklicherweise ist mir bei der Recherche nach einigen Techniken der Signalverarbeitung dieses coole, kostenlose und verstaendliche Buch in die Haende gefallen. Mit vielen vielen Bildern, fuer Techies und nicht fuer Mathematiker gedacht, einfuehlsam erklaert. Nun kann ich das mit der Fouriertransformation endlich.

2005/05/26 16:27 Deppen

Ich bin ja ein heimlicher Fan von Zwiebelfisch. Auch wenn ich mich mit meinem Drummer elendig lange streiten kann, in wie weit der pflegliche Umgang mit seiner Muttersprache deren natuerlicher Weiterentwicklung entgegensteht, auch wenn ich mich verteidigen muss, wie kleinkariert ich doch sei, wenn mir wegen dem Genitiv spontan Pickelchen auf der Iris spriessen. Ungeachtet der Tatsache, dass ich zuweilen Leuten auf die Nerven gehe, die Superlative am maximalsten geil finden. Nein! Ich stehe dazu, dass ich eine sprachkonservative Quaengelbacke bin. Die neue Rechtschreibung ist mir ein Graus und Rechtschreibe- und Grammatikfehler in gedruckter Form, zum Beispiel auf Werbeplakaten oder an Buden, tun mir ehrlich weh, weil sie als Multiplikatoren flegelhaften Umgangs mit der Sprache Wiedererkennungseffekte ausloesen.
Ich erwische mich natuerlich auch selber dabei, Fluechtigkeitsfehler in meinen Texten zu haben, peinlich in soweit, als dass dies darauf hinweist, dass man sich nicht die Zeit genommen hat, sein Geschriebenes noch einmal querzulesen. Systematische Fehler kommen mir aber nicht ins Haus: Deppenapostrophen (sehr schoenes Essay, das weitgehend auch meine Gefuehlslage widerspiegelt) fliessen mir genausowenig aus den Fingern, wie Leerzeicheninkontinenz.
Der Grund, dass ich nun gerade heute wieder darauf komme, ist jenes Bild hier. Oft bringe ich naemlich vor, dass Trenn- und Apostrophenfehler den Wortsinn entstellen und zu Missverstaendnissen fuehren koennen. Konkrete Faelle sind dann im Eifer des Gefechts schwer hervorzubringen. An dieser Stelle (wer's nicht entziffern kann, da steht an einem Plakat an der Hauswand "Loft's hier") aber bleibt einem als korrekte Antwort nur "Ick wees nich, ob's hier loft".

2005/05/24 02:11 Fotoblog

Nachdem der Cryx einen Imagefeed aufgemacht hat, fuehlte ich mich gleich animiert, das mit meinem frisch bei ebay erstandenen Communicator gemachte Foto hochzuladen. Ma kiekn. Communicator-Testbericht kommt spaeter.

2005/05/07 16:08 Ch-Ch-Ch-Ch-Changes

Manno, werd' ich alt. Nachdem die Einweihungsparty bei Bert nicht so recht in Schwung kommen wollte, hab' ich mir den Cryx geschnappt, um noch einen lustigen Junggesellenabend zu verleben. Dazu sind wir erst zum Osthafen gerollert. Dort war eine Party mit elektronischer Musik im Gange. Ich fuehlte mich ein wenig underdressed, dem Cryx war die Musik zu langweilig. Das anschliessende Couchen zu einem Schwarzweissfilm bei mir fuehrte dazu, dass ich meinem Besuch umgehend ins Schnarchland entfloh. Tolle Wurst. Zu meiner Rechtfertigung kann ich einzig anbringen, dass mich das fruehe Aufstehen zur Uni nun genau jeden Tag um halb neun von allein aufwachen laesst und ich bei Baerbel vorher extrem lecker und viel von Spargel mit Putenschnitzel und selbstgemachter Sauce Hollandaise vertilgt habe, was schonmal zu einer Grundtraegheit fuehren musste.
Zumindest war ich heute wieder rechtzeitig wach, um dem Dirk beim Umziehen mit seiner frisch Angetrauten zu helfen. Der allgemeine Trend zeigt ja an, dass das Wedding-Experiment gescheitert ist: Tina hat's nach Bonn verschlagen, Starbug ist zurueck in den Osten, nach Pankow und eben Dirk in den Friedrichshain. Der Umzug selber war nix besonderes, so alte-Leute-Umzug mit 3,5t-Robbe und nem Fahrstuhl, schnell erledigt. Nur das spaetere Zusammensitzen bei Suppe und Kuchen hat mich dann geschafft. Lauter glueckliche Paerchen mit oder in Erwartung von Kindern und dieser eine Spruch, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: "Das ist halt so, irgendwann fordert die Natur ihr recht, sie hat da so ihre Tricks, da ist dann nichts mehr mit Nachdenken, das kann man nicht rationell erklaeren, da ist dann dieser Drang da, dem kann man sich nicht widersetzen, da braucht man auch einfach jemanden, man muss ja da irgendwo hin, mit all seiner Liebe." Jungs: Don't even think about using THIS as an excuse!!!
Genau wie der Bert hat der Dirk sich aber eine offen dekadente Huette zugelegt. Vorbei die prallen Punk-, bzw Nerdtage! Da gibz Erkerzimmer, zwei Balkone, Fahrstuhl mit Schluessel. Letzteres ist mir eine komplett uneinsichtige Entwicklung. Will der Vermieter damit verhindern, dass Penner im Fahrstuhl naechtigen? Oder dass Einbrecher die Beute nicht bequem per Lift runterschaffen? Als erstes ist mir natuerlich aufgefallen, dass ganz legitime Gaeste irgendwann entnervt aufgeben und Treppen steigen werden, was vielleicht fuer aeltere Menschen keine Freude ist. Irgendjemand ne Idee?
Wie schon erwaehnt, ist der Dirk ja nun frisch vermaehlt und meine Combo hatte die Ehre, auf der Feier aufzuspielen. Ich konnte dabei mit meinen eigens von Baerbel aus Thailand eingeflogenen knallroten Chucks glaenzen und hatte Mordsspass. (Bei der Gelegenheit haben wir gleich noch eine Openstage in der c-base beschlagnahmt und werden da irgendwann mal rocken,. Das Musikvideo, von dem ich schon berichtete, ist zwar noch nicht ganz offiziell fertig, sieht aber schon cool aus.) Am Morgen drauf war ich mit Opa zum Mittag verabredet und hatte die unglaubliche Freude, von einem Ouzu beim Griechen begruesst zu werden. Hilft aber gegen Kater. (Links gibts wieder, wenn ich besser drauf bin.)

2005/04/26 21:18 Tintenpisser

Ich bin jetzt endgueltig offiziell und unumkehrbar sauer und verspuere Hassgefuehle gegenueber dem Druckerhersteller hp. Dass sie mich mit fiesen Tricks dazu zwingen wollen, ihre eigenen Patronen zu kaufen, ist zwar nicht pc, kann ich aber ob der stark subventionierten Drucker noch ein Stueck weit nachvollziehen.
Dass mich aber mein Drucker (ein hp psc 1110), seit die schwarze Patrone das aufgedruckte Verfallsdatum ueberschritten hat, mit seltsamen "Die Druckerpatrone kann sich nicht frei bewegen." oder "Druckpatrone pruefen"-Meldungen in Tateinheit mit Seitendruckzeiten von einer halben Stunde dazu noetigen moechte, selbige trotz halbem Tintenfuellstand zu ersetzen, ist schlicht inakzeptabel. HP ist fuer mich in jeder Hinsicht gestorben. Ich werde mich jetzt auf die Suche nach einem Farblaserdrucker machen. Hat da jemand Hinweise auf einen guenstigen, moeglichst nicht von HP? Mir wurde bisher jener hier empfohlen, Meinungen?

2005/04/26 01:14 Auf gut Glueck

Heute haben sich die DreiEuroFuffzich fuer die Sneak mal wieder richtig gelohnt. Der Film Netto kommt unglaublich liebenswert daher, spielt in der Eberswalder plus Kiez, macht einen Lachen und aufgrund seine Authentizitaet peinlich beruehrt Weggucken zugleich. Angucken!
Letzte Woche gabs Zimt und Koriander. Auch nett, aber mit Laengen.
Und bevor ichs vergesse: Das Konzert in Neuruppin war geil. Mit den Anwesenden Bier trinken, kickern und ueber Stimmlagen diskutieren in Wohnzimmerathmosphaere. Mehr davon!

2005/04/22 03:30 Quartalsblogger

Fruehling rockt! Die Grillsaison hat wieder begonnen, das neue Semester hat neuen Schwung in meine muede gewordenen Gehirnzellen gepumpt, die Band entwickelt sich langsam in Richtung etwas Ernstzunehmendem.
Ich habe Funny live in Kiel gesehen und daraufhin das Wochenende an Straenden der Ostsee bei Fastsommer verbracht. Ich war sogar schon wieder einmal Badminton spielen, obwohl sich der Grossteil meiner ueblichen Gegner schwere Hufschaeden zugezogen hatten. In einem beispiellosen Kraftakt ist zudem der Viertelpfuender entbunden worden. Die letzten Eintraege hier im Blog zeugen aber auch von interessanten Taetigkeiten an beruflicher Front. Und ich bekomme an seinem Geburtstag "Titten"-DSL nach hause.
Die Meldungen im Einzelnen: Morgen bestreitet meine Band mit mir unser erstes Konzert vor komplett fremden Publikum. Wir werden in Neuruppin als Vorband versuchen, (zumindest fuer uns) soviel Spass wie moeglich herauszuschlagen. Ich bin nun auch schon amtlich aufgeregt, zu aufgeregt, um mich gerade noch ernsthaft aufs Programmieren zu konzentrieren.
Letztes Wochenende haben wir durch diverse glueckliche Schicksalsfuegungen einem Filmstudenten beim Dreh eines Videoclips aushelfen duerfen, dem die eigentlich dafuer vorgesehene Band abgesprungen war. Ueber die Ergebnisse werde ich mich bestimmt noch elaborieren.
Das erste Konzert im Knaack im Zuge des Emergenza-Festivals war grandios. Nicht nur, dass ich trotz genau ALLER technischer Probleme, die einem Gitarristen so widerfahren koennen, in ... nennen wir es hoeflich "stoischer Ruhe" meinen "Gesang ja eigentlich auf den Basssoli" (Zitat Konkurrenzband) weitergefuehrt, den Bonbonregen zum Geburtstagslied weder adaequat angekuendigt noch sinnvoll um die Buehnenscheinwerfer herum ins Publikum gelenkt hab. Nein! Wir mussten uns trotz eines umwerfenden Fanblocks mit dem zweiten Platz begnuegen. Trotzdem hat es eine Mordslaune gemacht und eigentlich mag ich dieses Gefuehl gar nicht missen. Mal sehen, wie morgen wird. Dank an meine Muse und dank auch an die Chefin des Fanclubs :) Inzwischen gibt es auch offizielle Bekleidung fuer den eingefleischten Anhaenger.
Adlershof. Synonym fuer studiumsfreundliche Campusgestaltung. Und fuer das Mass eines Halbtagsjobs wieder Domizil an vier Tagen die Woche ab frueh um neun. Oh feierliche liebgewonnene Riten, ewiger Pathos der Erstis, ewiger Zynismus der Langzeitstudenten. Koestliche Mensaverpflegung, aufregende Konnektivitaet des oeffentlichen Personennahverkehrs. Wie hab ich dies alles vermisste. Inzwischen darf ich wieder Doktoren im Eifer, den ich noch aus meiner Jugend kenne, dabei zuhoeren, wie sie ihre liebgewonnene Programmiersprache gegen eine andere verteidigen und ich ertappe mich mit roten Ohren, wie platt doch fuer Aussenstehende diese ewigen Pimmelfechtereien um solch lapidare Probleme, ausgetragen mit laecherlichen Halbwahrheiten, klingen muessen.
Generell scheint mir Pragmatismus ein unterschaetztes Gut zu werden. Ich erlebe, dass noch bevor ein Problem vollstaendig formuliert wurde, die Programmiersprache festgelegt wird, Paradigmen formuliert werden, die dringend einzuhalten sind und man schon vier Meinungen Umstehender aufgedraengt bekommt, warum es aus diesem oder jenen Grund unsicheren ineffizienten oder zumindest unschoenen Code ergeben muesste, ganz gewiss aber welcher in der grundfalschen Programmiersprache. Mir ist immer staerker bewusst geworden, dass Software in allererster Linie ein gegebenes Problem loesen soll. Sie darf nicht zum Selbstzweck verkommen, solange es nicht ausdruecklich aus kuenstlerischen Gruenden so gewollt ist. Und so habe ich mich sogar dazu hinreissen lassen, ohne, dass es mir auch nur im geringsten peinlich ist, einem Kumpel bei seinem Problem in PHP zu helfen, obwohl ich weder in Perl im Allgemeinen, noch dem Blogsystem im Besonderen, bewandert bin. Ich habe es geloest, unschoen, gewiss, aber effizienter, als die Software, aus der ich geklaut habe, und mehr noch: das Programm tut, was Software tun soll: es erfuellt seinen Zweck. - Aber genug generdet fuer den Moment.
Die anderen Vorlesungen beschaeftigen sich mit mobiler Kommunikation, (von ARP ueber GSM bis VoIP alles dabei), Approximativen Algorithmen, Signalverarbeitung und Geschichte der Kryptographie. Mopedfahrn macht frueh morgens bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt noch weniger Laune, als tagsueber im Winter, in dem man ja nun weiss, woran man ist. Zumindest wird man an den Ampeln mit strahlendster Fruehlingssonne belohnt. Fruehling rockt DOCH irgendwie.

2005/04/11 19:11 Schnitte

Im Matheunterricht war das mit dem Schnittpunkte berechnen immer total popelich. Man hat schnell mal so Anstiege berechnet, oder abgeschaetzt, dass diese oder jene Gerade weil senkrecht ja einfach nur Einsetzen in die Geradengleichung der Anderen bedeutet.
Nunja. Im wahren Leben ;) hilft einem das Augenmass nicht. Gegeben sind 4 Punkte (x0|y0), (x1|y1), (x2|y2), (x3|y3). Diese bilden die Geraden A(P0,P1) und B(P2,P3). Bestimme den Schnittpunkt S(sx|sy) der Geraden. Loesung:

n1 = y0*(x2-x3)+y2*(x3-x0)+y3*(x0-x2)
n2 = (y1-y0)*(x3-x2)+(y3-y2)*(x0-x1)
sx = x0 + n1*(x1-x0)/n2
sy = y0 + n1*(y1-y0)/n2
Hierbei ist n2 gleich ne Determinante: ist sie kleiner null, ist A->B eine Linkskurve, ist sie gleich null, sollte man nicht dividieren, weil die Geraden parallel sind und der Taschenrechner "E" ausgeben wuerde. Ist n2 groesser null, hat man von A->B eine Rechtskurve.

2005/03/14 18:46 Lot

Ein weiterer Eintrag in mein Notizblog, weil ich keinen Bock habe, das immer wieder neu von Hand auf Papier auszurechnen: fuer eine gegebene Strecke S(x0,y0)(x1,y1) und den Punkt P(xp,yp) berechnet man den Fusspunkt F des Lots von P auf S mit der folgenden Formel:

q = (xp-x0)*(y1-y0)-(yp-y0)*(x1-x0)
r = (y1-y0)*(y1-y0)+(x1-x0)*(x1-x0)
x = xp+q*(y0-y1)/r
y = yp+q*(x1-x0)/r
Wenn man r um C vervielfacht, erhaelt man einen Punkt auf der Strecke P-F im Verhaeltnis 1:C.

Update:

Dasselbe funktioniert auch mit (x0,y0) als Stuetzpunkt und q als Koeffizient. Damit kann man ziemlich leicht sehen, wo (und ob ueberhaupt) auf der Strecke S der Fusspunkt des Lots auftrifft. In diesem Falle ist dann q/r im Interval [0,0..1,0]. Die Formeln:

q = (x1-x0)*(xp-x0)+(y1-y0)*(yp-y0)
r = (y1-y0)*(y1-y0)+(x1-x0)*(x1-x0)
x = x0+q*(x1-x0)/r
y = y0+q*(y1-y0)/r

2005/02/10 03:26 Messlatte

Ich muss mich an dieser Stelle mal wieder outen. Ich bin einfach noch nicht in der Blogosphere angekommen.
Tom wuerde jetzt diesen Eintrag in die Meta-Kategorie Blogging einsortieren. Aber ich bin anders. Ich schreibe dieses blog weiter von Hand, mit meinem treuen Lieblingseditor und nicht dem neumodischen Schnickschnack, oder gar diesem Warmduschertool, welches ich fuer Freunde schon aufsetzen durfte und welches sich durch die unselige Kombination von Pest und Cholera auszeichnet.
Genausowenig habe ich bisher eine klare Linie erkennen lassen wollen, was ich denn eigentlich hier will. Nicht, dass man bei mir spannende Geschichten, die Weltgeschichte betreffend, lesen koennte, oder feingeistige Auseinandersetzungen mit Feminismus, Aktionismus, BSD-ismus, oder, wie bei Tom, Buzzwordpropaganda. Ich habe keine Nische gefunden, wegen derer ich jemandem erklaeren koennte, mein Blog lesen zu muessen. Und eigentlich ist das auch gar nicht so schlecht. Ehrlich gesagt lebe ich in einer Schizophrenie, gar nicht wahrhaben zu wollen, dass Leute wirklich lesen, was ich hier zusammenkopiere. Und jedes Mal, wenn mich Leute drauf ansprechen, broeckelt dieser Selbstbetrug.
Ich verweigere mich diesem Blinkiblitzi-Clickibunti-Bescheidsagmechanismen. Der Cryx hat mich zwar syndiziert, aber ich bin eher der Typ, der raus in den Regen zum Briefkasten tappt und sich freut, wenn ihm wer was geschrieben hat. Oder, da ich nicht mal die ueblichen Verdaechtigen Blog-Seiten gebookmarked habe und die URLs der Blogs brav per Hand eintipper, eher noch die Oma, die sich zu ihrem Schwarz-Weiss-Fernseher ohne Fernbedienung aus dem Sessel durchs halbe Zimmer hievt, um zu schauen, ob vielleicht auf MDR was Spannendes kommt.
Ich habe natuerlich auch mal mit professionellen Low-End-Blogging-Tools rumgespielt. Aber erstens zerschoesse ein Wechsel meine Perma-Links (auch wenn wohl eh keiner meine Eintraege verlinkt hat), zweitens wuerde ich durch solche Tools nichts gewinnen. Eine Comment-Funktion habe ich seit Jahren ueber smtp, und oeffentliche Kommentare sind mir zu doof. Und im Webeditor Texte zu bearbeiten, fuehrt bei mir regelmaessig zu unvorsichtig getriggerten Page-Reloads mit komplettem Verlieren der Eintraege. Da lobe ich mir die screen+editor Kombination auf dem Server.
Aber genug alter Mann gespielt. Ich habe 3 Filmempfehlungen: Kontroll, Verschwoerung im Berlin-Express (beide bei ordentlich "Filmtheater am Friedrichshain-Sneak Preview"-Mischgetraenk und Popcorn genossen), sowie Weltmarktfuehrer, ein Film wie suess-saure Eier mit vielen leider nur allzuvertrauten Szenen unfreiwillig komischer Provinzmilliardaere.
Mein Roller stand ueber Winter. Er ist einfach so waehrend der Fahrt ausgegangen und sprang danach nicht wieder an. Nach mehreren Versuchen, Fahrzeuge zum Zur-Werkstatt-Hieven des Gefaehrts zu organisieren, habe ich beschlossen, eine neue Werkstatt auszuprobiern, zu der ich mein Moped hinschieben kann. Die Rechnung war einigermassen saftig: Bremsbelaege, Zuendkerze, anderthalb Stunden Arbeitszeit des Technikers, 115EUR. Gut, muss man verkraften, geht ja auch gern mal was kaputt. Der Grund dafuer, dass der Roller nicht fuhr, war aber wohl eine "schlecht zu erreichende Unterdruckleitung" und das Suchen dieses Fehlers haette wohl so lange gedauert. Bloed nur, dass ich gleich am naechsten Tag wieder stand. Selbes Problem: beim Fahren Roller ausgegangen, springt nicht mehr an. Auf meinen empoerten Anruf beim Roller-Scholz schickt mir Chefchen nen Mechanikerazubi, der mir kurz den offensichtlich rumbammelnden Unterdruckschlauch zeigt, wieder raufsteckt, mir empfiehlt, den doch vielleicht mal in der Werkstatt austauschen zu lassen und wieder wegfaehrt. Sauladen. Nicht mehr dahin!
FYI: dieser Eintrag dauerte 01:51h.
Nachtrag: Notizen... Unter MacOSX gibt es das Problem, dass man alle moeglichen Expose-Actions auf Tasten legen kann. Nur leider nicht "Lock-Screen". Hot Corners sind keine Option, zu oft komme ich mit der Mouse durch Zufall in den vier Ecken vorbei. Zum Glueck gibt es das eh coole Tool Quicksilver (das Apple sowieso mal ins Betriebssystem integrieren muss) .. geht es eigentlich noch jemandem so, dass er verzweifelt vor einem FreeBSD oder Windows auf F9 rumkloppt, um die Fenster verschwinden zu lassen? .. aeh.. wo war ich? Richtig Quicksilver... in den Extra Scripts ist auch "Lock Screen" dabei, welches man sich nun auf eine geneigte Taste (F12 erschien mir sinnvoll) mappen kann.
Zweitens haben einige Betriebssysteme die unangenehme Eigenschaft entwickelt, per default termcaps auszuliefern, die beim Beenden von pagern oder vi oder aehnlichem den alten Inhalt/Zustand des Terminals wieder herstellen. Bloede Eigenart! Und schwerlich abzustellen. Hier ein paar links: von less, fuer MacOSX und die terminfo man page.

2005/01/22 02:40 Notizblog

Ich kann mir Dinge so schwer merken. Und ich habe es bis heute nicht geschafft, mir eine zentrale Instanz anzugewoehnen, an der ich all die Dinge hintue, an die ich eigentlich denken moechte. Also Termine (Geburtstage und sowas wie Verabredungen oder Deadlines), Kontaktinformationen, ne Todoliste, Fakten, die ich rausgefunden habe und total nuetzlich finde und bloss nicht vergessen moechte, Accountinformationen fuer so Bewag und Online-Banking und Konsorten, wem ich wieviel Kohle geliehen habe und bei wem ich in der Kreide stehe.
Nunja, mein Communicator hat mir schon viel von der Arbeit abgenommen, ich hab da, in einem Anfall von zuviel Zeit, eine Todo-Liste angefangen. Weil di